Zur Waldschenke Altberg

Barfuss macht Spass.

Eine Hübsche Wanderung erlebte ich ab dem Bahnhof Würenlos. Zuerst musste ich ganz Würenlos durchqueren, damit ich von der Feldstrasse her den Aufstieg antreten konnte. Vom Bahnhof Würenlos aus folgt man einfach dem Wanderwegweiser.

Der Aufstieg nach der Feldstrasse erfolgt über ein gekiestes Weglein, welches stotzig hinaufführt. Man kann aber auch gut in der Wiese neben dem Weg gehen. Der untere Teil der Altbergstrasse, welcher zu einem Bauernhof führt, ist geteert.

Danach geht es den Wanderwegweisern folgend zuerst über eine üble Schotterwaldstrasse, welche nach ein paar hundert Metern aber zu einer angenehmen Waldstrasse wird. Irgendwann erreicht man den Vorderhüttikerberg. Dort befindet sich ein grösserer Parkplatz, welcher meistens von Hundehaltern genutzt wird, welche zu faul sind, den kleinen Aufstieg bis hierhin zu Fuss zu machen. Was würden wir bloss ohne Autos machen… Die Parkplätze sind übrigens kostenlos.

Nach dem Überqueren der Oetwilerstrasse geht es auf einer Kiesstrasse weiter bis zum Waldrand. Auf den ersten Blick sieht die Kiesstrasse leicht gefürchtig für bare Füsse aus. Erstaunlicherweise liegt der Kies aber auf einer Art von «Kalksandbett», so dass das Barfussgehen keine Probleme macht. Die Füsse werden des Bodens wegen bei Trockenheit von einer feinen, grauen Kalkschicht überzogen. Nach dem Waldrand kommt rechts ein unscheinbares Weglein, welches von der Strasse her abbiegt. Man sollte dieses Weglein nutzen, welches zwar etwas stotziger, dafür aber nicht Forstrassen-Schottrig weiterführt. Jene die Schotter lieben bleiben auf der Forststrasse.

Das Weglein ist wie gesagt sehr steil. Der Boden ist ein Gemisch aus hartem Waldboden und etwas Steinen. Der Weg nennt sich «Gratweg», obschon es kein eigentlicher Grat ist. Der Gratweg passiert immer wieder Forststrassen, welche man aber meistens nur queren muss. Mit der Zeit wird aus dem steinigen Gratweg ein wurzlicher Gratweg. Extrem viele Baumwurzeln geben diesem Weg etwas mystisches und ganz viel Charakter. Wenn durch das dichte Blätterdach die Sonne auf den Weg scheint, sieht es besonders hübsch aus.

Ab Bahnhof Würenlos muss man für den Aufstieg etwa 1 Stunde und 30 Minuten rechnen. Auf dem Altberg hat es eine wunderbare Waldschenke. Bei schönem Wetter kann man dort an einem Tisch direkt unter den Bäumen etwas Kleines essen und trinken. Ich habe mich für einen einfachen Käse-Wurstsalat entschieden. Für 14 Franken gab es eine riesige Portion, welche ich nur mit Mühe meistern konnte. Ich gönnte mir auch ein kaltes Bier dazu. Der Aufstieg hat mich doch etwas ins Schwitzen gemacht. Das Bier rann wohlig die Kehle hinunter. So schön kann es sonst nur im Himmel droben sein.

Nach der Verpflegung und dem obligaten Kaffee gönnte ich mir noch den Aufstieg auf den relativ neuen (2010), 34 Meter hohen Aussichtsturm, welcher aus heimischem Lärchenholz gebaut wurde. Der Aufstieg über die 142 Treppenstufen funktioniert barfuss bestens, sind doch die Treppenstufen ebenfalls aus Lärchenholz gefertigt. Die Aussichtsplattform befindet sich auf 30 Meter Höhe. Man  sieht auf dieser Plattform etwa 3 Meter über die Baumwipfel hinweg. Der Turm wurde besonders gut in den Wald integriert.  Die Aussicht gibt einem einen Rundumblick. Im Osten sieht man Zürich mit dem Zürichsee. Im Hintergrund erkennt man die schneebedeckten Alpen. Unter anderem zum Beispiel den Tödi und den Titlis, aber auch die 4000er Finsteraarhorn, Leuteraarhorn und Schreckhorn. Gegen Süden sieht man ins Limmattal, über den Heitersberg hinweg bis zu Eiger, Mönch und Jungfrau. Im Westen sieht man den Lägernrücken und den 40 Kilometer entfernten Hochrheinsendemasten. Im Norden erkennt man Bachenbülach, Buchs und Dällikon, Otelfingen mit dem Golfplatz und den Schauenberg.

Der Altberg kann problemlos auch von der Stadt Zürich aus in rund 3 Stunden erwandert werden.

Die Rückwanderung unternahm ich in westlicher Richtung hinunter nach Dänikon. Auch hier führte mich ein schmales, aber teils steiles Waldweglein in die Ebene. In der Zwischenzeit war die Lufttemperatur auf die angekündigten 35 Grad angestiegen. Ich durchquerte Däniken auf der Unterdorfstrasse. Die Asphalttemperaturen waren extrem hoch. Hier blieb mir keine Möglichkeit mehr, als auf meine Notschuhe zurückzugreifen. Meine Füsse brutzelten richtiggehend auf der heissen Oberfläche.

Bevor ich mir jedoch die Schuhe anzog, kühlte ich meine heissen Füsslein noch in einem Dorfbrunnen. Aus Wassermangel war aber nur noch ein Brunnen in Betrieb. Die Unterdorfstrasse führte mich via Bachwiesenweg zum Furtbach. Entlang des Furtbach führen beidseits Kieswege sowohl Wasserauf-, so wie auch Wasserabwärts.  Auf der gegenüberliegenden Seite des Baches liegt ein grosser Golfplatz. Da ich keine Lust hatte auf dem Kiesweg zu gehen, entledigte ich mich wieder meiner Notschuhe und watete durch den sehr wenig Wasser führenden Furtbach auf die andere Seite und lief dort auf den Wiesen des Golfplatzes weiter. Fussgänger sind dort nicht gerne gesehen und vermutlich wäre es auch nicht erlaubt gewesen. Doch mir wars egal. Meine Füsse genossen die Greens, Bunker und was es sonst für Dinge auf Golfplätzen gibt. Es ist doch immer nett, wenn man in den Sandbunkern Barfussspuren hinterlässt und diese nach dem Durchqueren mit dem Rechen nicht wieder schön weg macht. Bin ich ein Böser!

Wer übrigens nicht gerne durch Bäche watet, könnte auch eine kleine Fussgängerbrücke nutzen, welche in der Nähe über den Bach führt. Nach dem Golfplatz erreicht man in 3 Minuten den Bahnhof Otelfingen. Da die Teerstrassen weiterhin vor sich hin heizten, verzichtete ich auf den Rückmarsch nach Würenlos und nahm ab Otelfingen den Zug zurück nach Hause. Ich musste an der Haltestelle noch 20 Minuten warten, da dort der Zug nur alle 30 Minuten fährt. Ich sass da also gemütlich auf einem Bänklein, während sich für diese Uhrzeit eher untypisch viele Menschen auf dem Bahnhof einfanden. Ich kann jetzt nicht behaupten, dass meine etwas verstaubten Füssen nicht aufgefallen wären. Es gab immer mal verstohlene Blicke auf mich. Ich konnte den Neid dieser Leute auf meine freien Füsse aber richtiggehend spüren. Doch wenn der Mut fehlt es mir nachzumachen, muss halt schwitzend in Schuhen leiden.