Barfuss macht Spass.
Mit dem Schiff ab Luzern zum Vitznauerstock

Ich starte meinen Wandertag im Seebistro Luzern. Auf der Terrasse mit herrlichem Blick über das Seebecken lasse ich mir einen Kaffee schmecken. Dann geht es aufs Schiff, welches mich nach Vitznau bringt. Bei den vielen Chinesischen Touristen bin ich der Star des Tages. Barfuss scheint bei denen noch ungewöhnlicher als bei den meisten Schweizern zu sein. Aber mir ist es egal. Denn ich freue mich auf den Vitznauerstock.

Der Vitznauerstock (so wird er durch die Luzerner genannt – die Schwyzer nennen ihn Gersauerstock) besteht aus Kalkstein – anders als die Rigi, die ein Nagelfluhgipfel ist. Die Nagelfluh entstammt der Mittellandmolasse. Der Kalk des Vitznauerstocks wie auch jener der Rigi Hochflue sind eine Verlängerung der Pilatuskette (Pilatus – Lopper – Bürgenstock – Vitznauerstock – Hochflue), und diese Gesteine sind Bestandteil der helvetischen Decken, also der Kalkalpen, die bei der Entstehung der Alpen (Plattentektonik – Afrika stösst gegen Europa) aufgeschichtet wurden.

Der nordwestliche Teil der Rigi gehört somit geologisch zum Mittelland, der östliche Teil zu den Alpen. Die Grenze geht bei der Linie „Fälmisegg“ – „Gänterlipass“ durch. Die unterschiedliche Geologie wirkt sich auch in der Pflanzenwelt aus.

Trittsicherheit ist wichtig

Für diese Bergtour braucht man Trittsicherheit und der Weg muss trocken sein. Die steilen, heiklen Stellen befinden sich im Wald. Darum kann es nach Regenwetter ein paar Tage dauern, bis der Weg nicht mehr rutschig ist.

Einsame Wanderung

Es ist eine wunderschöne, abwechslungsreiche und recht einsame Rundtour hoch über dem Vierwaldstättersee. Der rot-weisse Wanderweg ist bestens markiert und beschildert, mit etwas Kartenstudium im voraus kann man sich kaum verirren. Die wenigen heiklen oder exponierten Stellen sind mit Seilen versichert. Dreiviertel der Tour befindet man sich unter dem kühlen, schützenden Dach der Bäume.

Ich habe es mir einfach gemacht und bin von der Schiffanlegestelle Vitznau zur Seilbahnstation Hinterbergen spaziert. Dort ging es mit der kleinen Seilbahn ein paar hundert Meter aufwärts. Beim Bergrestaurant Hinterbergen geniesse ich auf der Terrasse einen Kaffee. Danach folge ich der Teerstrasse bergaufwärts bis zur Fälmisegg. Ab dort führt ein Wiesenweg hinein in den Wald.

Und nun wird es stutzig. Es wird so stutzig dass man ein steiles Stück nur über eine lange Leiter bewältigen kann. Barfuss sind die Sprossen etwas unangenehm. Aber es hat gut funktioniert.

Nun folgt man dem Waldweg bis hinauf zum mächtigen Gipfelkreuz. Die Aussicht ist fantastisch. Ich genoss den tollen Blick bis ins Berner Oberland, auf den Pilatus und den idyllisch wirkenden Vierwaldstättersee.

Da die Tour wenig begangen wird, findet man dort oben Einsamkeit. Ich lasse es mir bei Brot und Wurst gut gehen und geniesse den sonnigen Mittag.

Irgendwann musste ich an den Abstieg denken. Der Steile weg führte mich an der Gersauer-Seite wieder hinunter. Ich habe noch nie derart viele Ameisenhaufen und Ameisenstrassen gesehen. Auch wenn ich nur kurz auf den weichen Tannenboden abstand, kraxelten mir immer wieder Ameisen über meine nackten Füsse und ab und zu auch die Beine hoch.

Nach den Naturwegen biege ich auf die Gschwendstrasse ein. Die Teerstrasse führt mich bis zum Dorfbach. Ab da heisst die Strasse Dorfbachstrasse. Sie führt gerade hinunter zum Vierwalstädtersee. Im Seehotel Riviera gönne ich mir eine Portion Eglifilet und ein grosses Bier. Danach besteige ich das Schiff und fahre zurück nach Luzern.

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