Barfuss macht Spass.

Als ich noch etwas jünger war, traf man mich des Öfteren mit Ski- und Snowboard auf einem Berg an. Wintersport war meine Passion. Ich bevorzugte dabei die kleineren Skigebiete. Die hatten einfach mehr Charme als die grossen, bekannten Gebiete. Eines meiner Lieblingsgebiete war der Schönbüel. Ein kleines Skieldorado in der Zentralschweiz. Die Talstation liegt in Lungern. das Gebiet war vor allem bei den Einheimischen sehr beliebt.

Die Tageskarte kostete dazumal 35 Franken. Im Preis inbegriffen war sogar das Mittagsmenü im Bergrestaurant Schönbüel. Wer nicht wählerisch war, konnte so Geld viel sparen.

Ob diese Preispolitik dazu geführt hat, dass es heute keinen Wintersport mehr im Schönbüel gibt? Alle Lifte wurden in der Zwischenzeit abgebaut. Nur die kleine Gondelbahn ab Lungern hinauf auf die «Turren» ist noch in Betrieb. Aus einem Skigebiet wurde ein nettes Wandergebiet.

Ich wollte schon lange mal wieder hoch in den Schönbühl. Also bin ich nackten Fusses nach Lungern gefahren. Mit dabei ein Rucksack und eine Kamera. Ich wollte nicht nur Wandern, sondern auch einen Barfussfilm drehen. Den Film dazu gibt es in ein paar Tagen hier auf diesem Kanal.

Der Parkplatz bei der Talstation ist gross und lag an diesem Tag eher verlassen da. Ich war auch wieder sehr Früh unterwegs und nahm die erste Gondel gleich um 8:20 Uhr. Alleine war ich allerdings nicht. Auch ein paar andere Ausflügler waren rechtzeitig da. Ich stach natürlich wie immer wie ein bunter Hund aus dem kleinen Grüppchen. Ein kleines Mädchen beobachtete meine nackten Füsse eine lange Zeit. Erst als sich unsere Blicke trafen, schaute sie verlegen weg. Dann fuhr die Gondel automatisiert los. Auch hier der Technik geschuldet ein Arbeitsplatzabbau. Den Gondelführer braucht es nicht mehr.

Oben angekommen stellte ich erstaunt fest, dass gleich unterhalb der Bergstation ein Restaurant mit grosser Sonnenterrasse gebaut wurde. Ich war wohl doch schon länger nicht mehr hier im Schönbüel. Eine Tasse Kaffee und ein Gipfeli mussten natürlich sein. An einer Bergbeiz geht der Barfusswanderer nicht vorbei.

Nach der Stärkung war die Zeit des Aufbruchs gekommen. Der Anstieg konnte beginnen, Früher stand hier der Sessellift. Heute sieht man davon nichts mehr. Also ging es zu Fuss hoch Richtung Schönbüel. Zuerst folgte ich für 100 Meter einem geschotterten Strässlein. Dann kam bereits die Abzweigung, welche in einen Bergweg mündete. Ab da ging es teils steil nach oben. Der Erosion wegen gab es ein paar steinige Anstiege. Die waren aber kurz und barfüssig gut zu gehen.

Die Wege sind gut markiert.

Das typische Bergweglein führte entlang alter, verbogener Föhren über hübsche Bergwiesen hinweg. Nach dem ersten Aufstieg kommt man wieder an ein Strässlein. Diesmal in geteerter Ausführung. Diesem Strässlein folgt man bis zum kleinen Bergdorf Breitenfeld auf 1753 Metern über Meer. Wie in fast jedem Dorf findet man auch dort eine kleine Kapelle.

Anschliessend geht es hinter dem Dorf einen sehr steilen und extrem steinigen Weg hoch. Man könnte auch weiter der Strasse folgen, welche ebenfalls bis hinauf in den Schönbüel führt. Aber als echter Wanderer bevorzugt man natürlich lieber natürlich Wanderwege. Teerstrassen habe ich Zuhause ja auch mehr als genug. Zum Glück war dieser steinige Aufstieg nur rund 100 Meter lang. Danach wird wieder ein wunderbarer Wanderweg daraus.

Irgendwann quert man die bereits bekannte Teerstrasse und wird teils über Naturtreppen weiter nach oben geführt. Der Schönbüel liegt auf 2011 Metern über Meer. Oben angekommen sehe ich das Berghaus Schönbüel zu meiner linken. Da ich beim Wandern immer sehr schnell einen trockenen Gaumen bekomme, musste ich natürlich eine Einkehr vornehmen. Ich hatte Glück. Ein kleines Tischlein war noch frei. Der herrliche Blick hinunter nach Lungern und hinüber zum Wetterhorn und etwas weiter links zum Triftgletscher war wunderbar. Ich gönnte mir in dieser herrlichen Bergwelt leckere Älplermagronen mit Apfelmus. En Guete.

Blick hinunter zum Bergdorf Breitenfeld.

Nach dem stärkenden Mahl zottelte ich wieder los. Ich folgte dem Strässlein, welches unter dem «Höch Gumme» durchführt. Ich hab mir zuerst überlegt, ob ich dort noch hinauf soll. Doch der «Höch Gumme» sah gar etwas Steinig aus. Also liess ich es bleiben. Das Strässlein allerdings war auch nicht gerade das, was man Genussbarfüsseln nennen würde. Ein Wanderpärchen sah mir erstaunt nach, als ich leichten Fusses über diese Steinpiste schritt. Es ging erstaunlich gut, da meine Fusssohlen ja wirklich keine Anfängersohlen mehr sind.

Nach 20 Minuten erreichte ich das «Biet». Dort kann man Richtung Sörenberg abbiegen oder hinüber zum «Mändli» nach «Dundelegg» und dann zurück zur Seilbahnstation wandern. Der Weg zur «Dundelegg» ist wild und schön. Auf einem schmalen Grat geht es rauf und runder. Leute mit Höhenangst sollten hier vielleicht nicht durchgehen.Ich jedoch habe es genossen. Herrlichster Barfussweg.

Rechts der Gratweg, links sieht man noch das Bergrestaurant Schönbühl.

Auf dem Gratweg sind mir zwei Wandersleute entgegen gekommen. Die Beiden waren fasziniert von meiner Schuhlosigkeit. Die beiden Tschechen hätten so etwas hier oben nicht erwartet. Natürlich würden auch sie gerne barfuss gehen, wie sie mir versicherten. Das sagen natürlich fast alle Wandervögel, mit denen ich beim Wandern ins Gespräch komme. Ich fordere diese Leute dann natürlich immer auf, den Beweis anzutreten und es auch barfuss zu versuchen. Bis zum heutigen Tag hat aber nur eine Frau vor einigen Jahren meiner Aufforderung Folge geleistet.

Der Weg führte mich weiter hinunter. Dann kam die Kuhweide. Der Wanderweg führte mal wieder mitten durch die Herde. Barfüssige und leise Wanderer sind für Kühe immer eine neue Erfahrung. Gebannt schauen sich mich jeweils an. Aber sie bleiben immer schön ruhig. Auch diesmal gab es keine Probleme.

Weg nach Dundelegg.

Bei einem Stall biegt der Wanderweg dann rechts hinunter zur Dundelegg. Unten neben einem Hof verliert sich der Weg etwas. Ich wusste nicht mehr weiter. Vermutlich war der Wanderweg einfach zu ende, obschon der Wegweiser in eine Weide zeigte. Dort sah ich aber keinerlei Wegspuren. Darum folgte ich dem ziemlich fies geschotterten Strässlein, welches hinunter nach «Dundel» führt. Nach ein paar hundert Metern musste ich dann Forfait geben und meine Notschuhe aus dem Rucksack holen. Die kleinen, Scharfkantigen Schottersteine waren zu viel für meine Fusssohlen. Dieses Stück Weg sollten sich die Touristiker nochmals anschauen. Es wäre sicher möglich in diesem gebiet einen anständigen Wanderweg zu erstellen. Auch wenn er nur entlang der Strasse führt wäre es eine deutliche Verbesserung. «Dundel» besteht aus einer Hand voll Gebäuden.

Von dort führt eine Strasse wieder hinauf nach Turren. Die Strasse ist allerdings geteert, so dass ich meine Notschuhe wieder ausziehen konnte. Die Teerstrasse ist allerdings in einem erbärmlichen Zustand. Es würde mich nicht wundern, wenn man den defekten Teerbelag entfernen und dann ebenfalls einschottern würde.

Im Turren angekommen begab ich mich wieder zur Seilbahnstation. Nach mir kam nur noch eine Familie mit zwei Kindern, welche ebenfalls wieder mit der Bahn hinunter fahren wollten. Eines der Kinder sagte dann ganz leise zum Mami, dass ich barfuss wäre. Mami meinte, dass es gesund sei. Mamis haben doch immer recht!

Es war eine schöne Wanderung und ich bin froh, wieder einmal auf dem Schönbüel gewesen zu sein. Viele Erinnerungen prägen diesen Ort. Für Barfussanfänger wird es sicher einige Schuh-Passagen geben. Ansonsten ist es barfüssig teils sehr angenehm. Diese Wanderung ist sicher nichts für Anfänger.