Schlimme Prognose wegen Zecken

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Barfuss macht Spass.

Schlimme Prognose wegen Zecken

Da schreibt doch ein deutsches News-Portal folgendes:

Schlimme Prognose für die Barfuß-Saison: Die Zecken breiten sich in Niedersachsen aus.

Frühling bis Herbst nennt man nun neuerdings «Barfuss-Saison»? Das wäre ja ein grosser Fortschritt – wenn man es dann auch tun würde, das Barfussgehen.

Liebe Leserinnen und Leser, mit oder ohne Schuhe und mit oder ohne Zecken – wenn ihr barfuss seit, werdet ihr vermutlich nicht mehr Zecken aufsammeln als sonst auch. Warum das so ist? Das kann ich euch aus eigener Erfahrung mitteilen.

Schlimme Prognose wegen Zecken?

Ich bin ein gebranntes Opfer

Erstmal – ja, ich hatte schon einige Zeckenstiche. Ja, Zecken beissen nicht. Sie Stechen – wie Mücken. Und vermutlich hat so eine Zecke bei mir auch mal eine Ladung Lyme Borrelios hinterlassen. Ein entsprechender Test beim Arzt hat ein positives Ergebnis angezeigt. Allerdings ist ein positives Ergebnis allein nicht ausreichend für die Diagnose einer Borreliose-Erkrankung. Auch Borreliose-Symptome müssen vorliegen, was bei mir aber nicht der Fall war. Fällt ein Borreliose-Test positiv aus, heisst das im Normalfall nur, dass man sich zu irgendeinem Zeitpunkt mit Borrelien infiziert hat. Ein positiver Antikörper-Test allein erlaubt aber keine Aussage darüber, ob es sich um eine floride Infektion (mit tatsächlichen Symptomen) oder um eine latente («verborgene») Infektion handelt. Im zweiten Fall hat man sich zwar mit Borrelien infiziert, aber diese werden vom Immunsystem so weit in Schach gehalten, dass die Erkrankung nicht ausbricht.

Ein Borreliose-Bluttest kann zudem auch dann noch positiv ausfallen, wenn eine Infektion schon lange zurück liegt und längst ausgeheilt ist – entweder allein mithilfe der Körperabwehr oder durch eine Antibiotikatherapie. Es sind dann aber oft immer noch Borrelien-Antikörper im Blut nachweisbar.

So wie es also aussieht, hat mein Immunsystem bisher soweit gut funktioniert und das Zeugs erfolgreich bekämpft. Die Zecke fand ich übrigens am Rücken. Sie war bereits tot und vertrocknet. Erstaunlich, dass ich das lange nicht bemerkt hatte. Mir wäre es auch nie in den Sinn gekommen, den Rücken zu prüfen. Seit dem mache ich das…

Doch zurück zum Artikel und warum man deswegen nicht auf das Barfussgehen verzichten sollte…

Wo geht man barfuss?

Stadt

Wer in der Stadt wohnt und auf Gehwegen unterwegs ist, dem kann die Zecke so etwas von egal sein. Zecken haben keine Tendenz auf dem Gehweg zu sitzen und darauf zu warten, sich auf einen barfüssigen Menschen stürzen zu können. Sollte der Städter barfuss über die Wiese im Park gehen, ja dann könnte es dort schon auch Zecken haben – die Chance ist allerdings eher klein. Denn wenn der städtische Parkrasen wie meistens auf 1 cm getrimmt ist, wird sich dort keine Zecke besonders wohl fühlen. In der Stadt muss man eher keine Angst vor Zecken haben. Ausser man drückt sich in städtischen Gebüschen rum, was vermutlich die wenigsten tun.

Schrebergarten

Eine städtische Ausnahme ist der Schrebergarten oder der heimische Garten. Dort findet man des Öfteren auch Büsche, Hecken oder etwas höheres Gras. Es kann durchaus vorkommen, dass man bei der Gartenarbeit in eine Zecke aufliest. Wer Gartenarbeiten macht sollte wissen, dass es eher möglich als unmöglich ist.

Land und Wald

Im Wald und auch im hohen Gras einer ländlichen Wiese, wird man öfters auf Zecken treffen. Es gibt wohl in der ganzen Schweiz keinen Wald und keine Blumenwiese, in welcher es keine Zecken hat. Die Spinnentiere treten nicht nur – wie oft irrtümlich angenommen – in südlichen Gefilden auf, sondern auch in nördlicheren Regionen. Da die Parasiten gefährliche Krankheitserreger, wie zum Beispiel das Frühsommer-Meningoenzephalitis-(FSME) Virus oder Borreliose-Bakterien, übertragen können, ist es wichtig zu wissen, wo man Zecken begegnen kann und wie man sich richtig schützt.

Warum man barfüssig keine Angst haben muss

Da gibt es eigentlich zwei Gründe. Erstens befinden sich Zecken nicht am Boden. Wenn man barfuss über den Waldboden geht, wird man sich in der Regel keine Zecke zuziehen. Wenn man barfuss durch halbhohes Gras geht, kann es sein, dass man eine Zecke aufliest. Wenn du Schuhe an den Beinen hast, wirst du die Zecke vermutlich nicht sehen (ausser du hast helle Schuhe). Wenn du barfuss bist, wirst du sie vermutlich auf dem Fussrücken krabbeln sehen. Barfüssig erkennt man zecken viel besser und kann sie sogleich entfernen. Normalerweise streift man sich die Zecke aber eher im Bereich der Waden oder Knie ab, halbhoch halt. Somit spielt es meistens keine Rolle, ob man barfuss ist oder nicht.

Da man sich Zecken oft halbhoch abstreift ist es es nicht verwunderlich, dass viele Zecken in den Kniekehlen zustechen. Dort befinden sich die ersten, weicheren Hautstellen. Wenn man sich gebückt durch Gebüsche durcharbeitet (zb. beim Pilzsammeln), kann man Zecken auch im Bereich des Oberkörpers abstreifen. Diese Zecken finden dann den Weg in die Bauchregion (Bauchnabel), zu den Armbeugen oder Achselhöhlen oder sogar hoch zum Hals und Kopf. Es gibt also viele geeignet Ort, wo Zecken gerne zustechen. Dabei spielt es aber keine Rolle, ob man barfüssig ist oder nicht.

Mein Erlebnis

Vor kurzem war ich im Waldgebiet unterwegs. Schön brav auf Waldwegen, ohne Gebüsch und hohem Gras. Dann entdeckte ich bei einer grösseren Lichtung einen Hochsitz. Solche Hochsitze ziehen mich magisch an. Ich muss sie einfach besteigen. Ich bin kein Jäger, aber die Aussicht in 4-5 Metern Höhe ist halt doch anders als wenn man auf dem Boden steht. Damit ich genannten Hochsitz erreichen konnte, musste ich durch die Wiese gehen. Das Gras war unterschiedlich hoch. Teils bis zu 15 Zentimeter. Als ich am Hochsitz ankam habe ich einen Check meiner Füsse vorgenommen. Und siehe da – es krabbelte eine hungrige Zecke an meinem Fuss herum mit der Tendenz, sich nach oben zu bewegen. Natürlich liess ich der Zecke keine Chance, ihr Werk zu vollbringen. Hätte ich jetzt aber Wanderschuhe oder sonstige, nicht gerade weisse Schuhe an den Füssen gehabt – diese Zecke hätte ich wohl nicht gesehen. Somit denke ich, dass das barfüssige Laufen betreffend Zecken nicht ein Nachteil, sondern vielleicht sogar ein Vorteil sein könnte. Man ist als Barfussgeher einfach aufmerksamer, was da untenrum so los ist.

Was sind Zecken überhaupt? Das Interview.

Wer bist du?

Ich bin eine Zecke und so gross wie ein Stecknadelkopf und werde auch Holzbock genannt. Ich stamme aus der Familie der Spinnentiere. Meine Unterfamilie sind die Milben.
Meine Stärke sind eine hohe Anpassungsfähigkeit bezüglich Höhe und Feuchtigkeit. Am liebsten halte ich mich in gemässigten Klimazonen bis in Höhen von ca. 1000 Meter über Meer auf. Ich bevorzuge die Feuchtigkeit des Erdbodens. Die finde ich vorallem im Unterholz von Wäldern, wo ich auf meine Beute warte. Ich krabble auf Aeste und Blätter des Unterholzes und der niedrigen Waldsträucher; begebe mich aber höchstens 80 cm ab Boden und sicher nie auf Bäume

Was ist deine Schwäche?

Meine Schwäche ist das Saugen von Blut eines vorüberziehenden Wirtes. Ich bin ein kleiner Dracula. Ich halte mich an meinem Wirten fest und suche mir einen geeigneten Ort zum Stechen. Ich mag es übrigens nicht, wenn immer gesagt wird «ich beisse». Ich beisse doch nicht, ich steche! Und das mit Vorliebe auch in ungeschützte Menschenhaut.

Was ist deine Stärke?

Um mich vor der Wut der Menschen zu schützen, bin ich vorsichtig und tarne mich. Ich bin also klein, so dass man mich kaum sieht, im Unterschiede zu den Insekten, schmerzt mein Stich nicht, und ich steche vor allem an versteckten Orten. In den Kniekehlen, in der Schamgegend, im Bauchnabel, in den Achselhöhlen, hinten an den Schultern, am Nacken oder hinter den Ohren, also an Orten, wo mich der Mensch nicht entdecken kann. 80% all meiner Stichen werden nicht erkannt. Ich bin halt schon ziemlich schlau.

Was magst du nicht?

Ich mag Menschen nicht, welche noch schlauer sind als ich es bin. Denn die erwischen mich rechtzeitig.

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Das sollte man vielleicht besser nicht tun…

Zecken sind Übertrager von 2 wichtigen Krankheiten

FSME

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME, ist eine virale Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS). Der Erreger der FSME, das FSME-Virus, wird in erster Linie von Zecken auf den Menschen übertragen. Es sind jedoch auch einige wenige Fälle bekannt, in denen die Erkrankung durch den Genuss unpasteurisierter Milch von infizierten Kühen oder Ziegen ausgelöst wurde. Als gefährdet, an einer FSME zu erkranken, galten lange Zeit vor allem bestimmte Berufsgruppen wie Förster, Jäger, Wald- und Landarbeiter, da diese besonders häufig von Zecken gestochen werden. Inzwischen sind solche beruflich gefährdeten Personen jedoch meist gegen die FSME geimpft. Daher infizieren sich heutzutage etwa 90 Prozent aller Patienten während ihrer Freizeit mit dem Virus. Eine Infektion lässt sich durch eine Blutuntersuchung feststellen.

Gegen FSME kann man sich impfen lassen. Wer sich hin und wieder in Wäldern oder auf Wiesen auffällt, sollte dies tun.

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In den roten Gebieten wird eine Impfung empfohlen.

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Aus diesen Gebieten wurden FSME-Fälle gemeldet

Was passiert, wenn man nicht geimpft ist?

Sieben bis vierzehn Tage nach dem Stich einer infizierten Zecke kann es zu einer ersten Krankheitsphase mit grippeartigen Symptomen kommen. Beim Grossteil der Patienten treten jedoch keine Krankheitszeichen auf. Bei 5 bis 15 % der Erkrankten kommt es nach einem beschwerdefreien Zeitraum zum Befall des zentralen Nervensystems mit Symptomen wie Kopfschmerzen, Lichtscheu, Schwindel, Konzentrations- und Gehstörungen. Diese können Wochen bis Monate andauern. Bei einem Teil der Patienten können Lähmungen der Arme, Beine oder Gesichtsnerven auftreten und zu bleibenden Behinderungen führen. In zirka 1 % der Fälle mit neurologischen Symptomen führt die Krankheit zum Tod. Eine ursächliche Behandlung der FSME ist nicht möglich, es können lediglich Symptome behandelt werden.

Borreliose

Borreliose wird durch Bakterien ausgelöst. Sie ist die häufigste durch Zecken übertragene Erkrankung in der Schweiz. Ein häufiges Zeichen der Borreliose ist das Symptom der Wanderröte. Die Infektion kann mit Antibiotika behandelt, aber nicht durch eine Impfung verhindert werden.

Krankheitsbild

Das Krankheitsbild beim Menschen ist sehr vielfältig. Deshalb ist Borreliose bei der Diagnose schwierig von anderen Krankheiten abzugrenzen. Da es mehrere Arten von Borrelien gibt, unterscheidet sich auch der Verlauf der Erkrankung. Je nach Art werden im Verlauf unterschiedliche Organe betroffen. Man unterteilt die Krankheit in drei Stadien.

Erste Erkennungsmerkmale von Borreliose können sich durch Rötungen der Haut oder grippeähnliche Symptome abzeichnen. Ein charakteristisches Borreliose-Symptom ist die Wanderröte, die in über 50 Prozent der Fälle auftritt. In der Fachsprache heisst diese sogenannte Wanderröte «Erythema migrans». Sie tritt meistens dort auf, wo die Zecke zugestochen hat.

3 Stadien

Stadium I: Charakteristisch für dieses Stadium sind die Wanderröte und das Borrelien-Lymphozytom.

Stadium II: In diesem Stadium kommt es zur Ausbreitung der Infektion im befallenen Körperteil. Blut- und Lymphgefässen verschiedener Organe, das Nervensystem, der Bewegungsapparat und das Herz können befallen sein. Dieses Stadium tritt einige Wochen bis Monate nach der Infektion auf.

Stadium III: Das sogenannte Spätstadium tritt Monate bis Jahre nach der Erstinfektion auf. Das dritte Stadium wird nur bei einer geringen Anzahl von Patienten beobachtet. Symptome können zum Beispiel chronische rheumatischen Schmerzen, Gelenkschmerzen, Müdigkeit, Kopf- und Nervenschmerzen sein. In den beiden späten Stadien ist mit dauerhaften Schäden zu rechnen. Betroffene können in ihrer Lebensqualität unterschiedlich eingeschränkt werden.

Schwerwiegend

Gegen Borrelien entwickelt sich keine zuverlässige Immunität. Man kann sich mehrfach infizieren und auch mehrere Erkrankungsstadien gleichzeitig haben. Ein Infekt lässt sich jedoch aufgrund der Antikörper im Blut nachweisen. Ein positiver Antikörper-Test sagt allerdings nur aus, dass irgendwann in der Vergangenheit eine Borrelien-Infektion abgelaufen sein muss. Es ist damit nur der erfolgte Kontakt mit Borrelien, nicht aber der Zeitpunkt feststellbar. Im Umkehrschluss: Ein positiver Antikörper-Test belegt noch keine Borrelien-Erkrankung.

Unerkannt oder ungenügend behandelt, können die Folgen von Borreliose schwerwiegend sein. Unbehandelte Borreliose kann bis zu Invalidität führen.

10’000 jedes Jahr

Borreliose-Bakterien sind die häufigsten durch Zecken übertragbaren Krankheitserreger in der Schweiz. Rund 5 bis 30 Prozent (stellenweise bis zur Hälfte) der Zecken sind mit dem Bakterium Borrelia burgdorferiinfiziert. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) geht davon aus, dass in der Schweiz jährlich rund 10’000 Personen infiziert werden und daran erkranken.

Keine Impfung

Im Gegensatz zu der ebenfalls durch Zecken übertragenen Frühsommer-Meningoenzephalitits (Hirnhautentzündung), kurz FSME, gibt es gegen Borreliose keine Impfung. Grundsätzlich wichtig ist, Zeckenstichen vorzubeugen, den Körper nach Outdoor-Aktivitäten abzusuchen und Zecken rasch zu entfernen.

Vorbeugung

Verhalten

Gebüsche meiden, halbhohes Gras meiden. Das ist der beste Schutz. Wer also gerne in den Wald geht, bleibt idealerweise auf den Wegen und/oder umgeht Dickicht.

Kleidung

Als Vorbeugung wird angegeben, dass man geschlossene Kleidung tragen soll. Schuhe, Socken über die Hosen ziehend, Hosen, langärmlige Jacke, in de Hose steckend, dazu ein Halstuch, eine Wintermütze und Taucherbrille. Am besten eigentlich einen Vollkörperschutzanzug. Naja, die wenigsten werden im Sommer so in den Wald gehen. Ich trage lieber Shorts und T-Shirt.

Chemie

Wenn Du in ein Gebiet gehst wo die Chancen hoch sind, dass du mit Zecken in Kontakt kommen könntest, kannst du auch Antizeckensprays oder -Lotion auf Basis von DEET oder Citrodiol nutzen.
Diese Zeckenschutzmittel können auf die Haut oder die Kleidung angebracht werden. Die Lotionen sind für die Haut gemeint, und die Pumpesprays für die Kleidung.

Die Zeckenschutzmittel töten Zecken nicht. Sie haben nur einen abwehrenden Effekt. Zudem funktionieren diese Lotionen und Sprays nur für einige Stunden, und oft kürzer als der Hersteller Ihnen verspricht! Darüber hinaus ist die Wirkung je nach Person unterschiedlich: bei Manchen dauert der Zeckenschutz 5 Stunden an, bei Anderen nur 30 Minuten. Diese Produkte bieten keine Garantie gegen Zeckenstiche.

Wie gesund solche Mittel sind, kann ich nicht beurteilen. Sie stinken ziemlich fies.

Hygiene und Kontrolle

Das beste was man machen kann, ist sich nach dem Besuch eine Waldes zu kontrollieren

  1. Duschen – so spült man Zecken ab, welche noch nicht zugestochen haben
  2. Körper nach Zecken absuchen, welche zugestochen haben und diese entfernen
  3. Kleidung draussen gut ausschütteln und nach Bedarf waschen, denn auf Kleidung können Zecken sonst tagelang überleben. Und wenn man diese am nächsten Tag wieder anzieht, stechen sie halt dann dazu.

Impfung

Wie weiter oben beschrieben, sollte man sich gegen FSME impfen lassen. Damit kann schon mal eine schwere Erkrankung, welche tödlich sein kann, nahezu ausgeschlossen werden. Gegen Borreliose gibt es keine Impfung. Eine solche Erkrankung führt zwar nicht zum Tod, kann aber dennoch schwere Erkrankungen auslösen, welches bis zur Invalidität reichen kann.

Fazit

  1. Zecken stechen zu, egal ob man barfuss ist oder nicht.
  2. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.
  3. Impfen kann sich lohnen.