Barfuss macht Spass.

Ach war ich müde, an diesem Samstagabend. So müde, dass ich um 22 Uhr mein Haupt auf das Kopfkissen bettete. Ich habe wie ein kleiner Engel geschlafen und bin am Sonntag erst um 9 Uhr aufgestanden. 11 Stunden am Stück schlafen. Für mich ist das eine kleine Sensation, beträgt meine Schlafenszeit ansonsten 6 bis 7 Stunden.

Der Sonntag versprach für Ende September wunderbares Wetter. Ich verbrachte den Tag mit Gartenarbeit, faul im Liegestuhl liegen und dem Lesen eines Buchs – und natürlich mit Kochen. Sonntags gehe ich meistens um 22 Uhr zu Bett. Doch diesen Sonntag habe ich mich drei Stunden auf der Matratze gewälzt. An Einschlafen war nicht zu denken. Ob ich zu ausgeschlafen war? Irgendwann wurde es mir zu Bunt und ich tat, was ich immer mache, wenn ich nicht einschlafen kann – ich ziehe mich an und mache einen Spaziergang.

So bin ich kurz vor 1 Uhr mit Jeans, T-Shirt und einem dünnen Hoody (Kapuzenpullover) bekleidet vor die Tür getreten. Der Asphalt fühlte sich überraschenderweise sehr warm an. Die Sonntagssonne hatte gute Arbeit geleistet. Die Luft war aber bereits abgekühlt. Nach einigen Metern wurde Punkt 1 Uhr die Strassenbeleuchtung abgestellt. Im Zeitalter fehlender Finanzen kann man auf diese Weise einige zehntausend Franken Lichtverschmutzung einsparen. Ja, ich finde es gut. Und aus meiner Sicht könnte man die Strassenbeleuchtung auch bereits um 22 Uhr abschalten oder besser überhaupt nie einschalten.

Der Sternenhimmel war fantastisch. Ich spazierte Richtung Altstadt, vorbei am kleinen Schloss in welchem der Landvogt früher wohnte, über die Holzbrücke hinein in die untere Altstadt. In der unteren Altstadt wurde der Pflasterstein als Strassengrund beibehalten. Dieser Pflasterstein ist barfuss nicht so gut zu gehen, wie ich finde. Die Steine sind sehr rund, so dass die Sohle nie gerade aufsetzen kann. Dieses eher unangenehme Gefühl habe ich aber auch, wenn ich Schuhe anhabe und auf diesem Weg unterwegs bin. Ein etwas dummer Pflasterstein. Zum Glück gibt es auf beiden Seiten der Strasse eine Art Wasserrinne, welche etwa 30 Zentimeter breit ist. Diese wurde mit Granit gestaltet. Bei Regen soll diese Rinne für einen besseren Abfluss sorgen. Heute Nacht war sie natürlich furztrocken. Zum Laufen ist sie viel angenehmer als das Pflaster. Man sieht auch immer viele Leute auf diesem schmalen Streifen laufen. Das Empfinden ist also nicht nur bei mir so.

Nach der Pflasterstrasse verliess ich die untere Altstadt und folgte dem Promenadenweg entlang der Limmat. Beim Promenadenlift, mit dem man hinauf zum Bahnhofsplatz fahren kann, bin ich rechts abgebogen und haben den den Limmatsteg überquert. Der Boden des Steges besteht aus feinem Gitterrost. Es gibt barfuss sicher angenehmere Untergründe, aber ich kam problemlos hinüber. Anschliessend spazierte ich durch die Gemeinde Ennetbaden, ebenfalls der Limmat entlang. Bis jetzt habe ich ausser einer Katze kein anderes Lebewesen gesehen. In Ennetbaden gibt es wieder einen Limmatsteg, welcher zurück auf die Badener Seite führte. Auch dieser Steg hat Gitterroste als Boden. Nach dem Steg bin ich scharf links auf einen schmalen Weg hinabgestiegen, welcher unterhalb von zwei alten, ehrwürdigen Bäderhäuser entlangführt. Dort befindet sich eine Thermalbank, welche mit warmen Thermalwasser gespeist wird. Natürlich habe ich mir diesen Spass gegönnt. Hosenbeine etwas aufkrempeln, ins Bad steigen und auf der Sitzbank Platz nehmen. Da sass ich nun, während das warme Thermalwasser meinen Füssen schmeichelte. Ich genoss die Stille. Nur das Rauschen des Flusses war zuhören.

Nach etwa 15 Minuten Entspannung bin ich wieder losmarschiert auf meinem Nachtspaziergang. Zuerst habe ich natürlich die aufgekrempelten Hosenbeine wieder runtergelassen. Das ist nämlich etwas, was ich nicht verstehe. Auf Fotos mit Barfussläufern ist oftmals zu sehen, dass deren Hosenbeine aufgekrempelt sind. Das sieht so etwas von doof aus. Ich frage mich warum die das tun. Mit Schuhen würden die das ja nicht machen. Um mehr aufzufallen? Ich auf alle Fälle mache das auch barfuss nicht, ausser ich muss durch Schlamm oder Wasser waten.

Der Nachtspaziergang führte mich dann wieder entlang der Promenade, einfach von der anderen Seite kommend. Wieder beim Promenadenlift erkenne ich, dass der Lift unten stand. So liess ich mich spontan auf einen Abstecher hinauf zum Bahnhofplatz einladen. Doch auch dort oben sah ich keine Menschenseele.

Ich spaziere durch die Badstrasse. Diese Strasse ist die Einkaufsmeile Badens. Es reihen sich Geschäfte an Geschäfte. Während die Gemeinde Geld spart und die Strassenbeleuchtung ausschaltet, strahlen hier die Schaufenster hell um die Wette. Wie sinnlos.

Beim Schlossbergplatz angekommen, sehe ich zum oben, auf dem Hügel liegenden Ruine Stein hinauf. Die Ruine war mal ein Schloss und wurde 1415 durch den Angriff der Eidgenossen zerstört. Die Ruine liegt im Dunkeln.Hier direkt in der Stadt strahlen aber die Strassenlaternen um die Wette. Für wen weiss ich nicht. Ausser mir ist kein Mensch hier. Das ist wirklich Geldverschwendung.

Nun spaziere ich durch die weite Gasse, welche ebenfalls beidseits von Geschäften oder Restaurants gesäumt wird. Doch die Geschäfte und Restaurants sind alle geschlossen. Die Stadt wirkt ausgestorben. Kein Wunder… wer spaziert schon Sonntagnacht um 2 Uhr durch die Stadt?

Nach der Stadt komme ich zurück auf die Landstrasse und spaziere zurück nach Hause. Eine Stunde und 20 Minuten war ich unterwegs. Meine Fusssohlen durften verschiedenste Untergründe geniessen. Schwarz wurden sie aber nicht. Nur etwas grau. Schweizer Städte sind einfach sehr sauber.

Zuhause habe ich mir dennoch zuerst die Füsse gewaschen, danach bin ich ins Bett gestiegen und nach etwa 10 Minuten eingeschlafen.

Ganz ehrlich – ich mag solch Nachtspaziergänge. Es wirkt alles so friedlich – man könnte meinen wir leben wirklich in einer friedlichen Welt.