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Wir lieben Barfuss

Kusis Kolumne

Die Krux mit den Schotterpisten

In der Schweiz liebt man Schotterpisten. Seien es Feldwege, Forststrassen oder Bergstrassen. Hauptsache Schotter. Schotter. Schotter.

Der Grund für Schotterpisten sind die schweren Maschinen, welche es für Holzschlag und andere Arbeiten braucht. Denn die Arbeiten sollen auch bei Regen möglich sein. Sind die Strassen nicht gefestigt und geschottert, würden die Maschinen im Schlamm einsinken. Dank der Schotterstrassen kann das Wasser abfliessen und die Maschinen sinken nicht ein. Natürlich könnte man auch darauf verzichten bei feuchten Bedingungen mit solchen Maschinen in den Wäldern herumzufahren. Leider entscheiden aber jeweils die finanziellen Einnahmen und nicht die Natur.

Fehlendes Geld ist vermehrt auch der Grund, Schotterstrassen einzurichten. Schottern ist günstiger als Teeren. Schotterstrassen werden zudem auch als naturnaher angeschaut, obschon sie aus meiner Sicht mit Teerstrassen gleichzusetzen sind – bis auf die Qualität. Da ist Schotter deutlich mieser.

Neuerdings gibt es sogar schwere Maschinen, welche für die Instandhaltung der Schotterstrassen entwickelt wurden. Da muss man nur noch zweimal über die Schotterstrasse fahren und schon ist sie wieder frisch aufgearbeitet mit fiesem, groben Schotter.

Viele Wanderwege in der Schweiz

Da es in der Schweiz 65’000 Kilometer signalisierte Wanderwege gibt,  führen viele dieser Wege über Schotterstrassen. Der Aufwand neben der Schotterstrasse auch noch einen angenehmen Wanderweg zu unterhalten, ist zu gross. Für mich sind Wanderwege, welche der Einfachheit halber über Schotterstrassen führen, keine wirklichen Wanderwege. Auch als beschuhter Wanderer sind Schotterstrecken nicht gerade angenehm.

Vor allem im Mittelland

Für uns Barfüssler gehören Schotterstrassen zum unangenehmsten Untergrund. Da fühlen sich Teerstrassen geradezu als Wohlfühltherapie an. Doch Schotterstrassen haben seit langem die Schweiz erobert. Im Mittelland gibt es leider kaum mehr natürliche Wanderwege. Viele Wanderwege führen über Schotterpisten. Als Barfusswanderer muss man daher genau wissen, wo man wandern geht, damit man keine langen Wegstrecken auf den Schotterpisten zurücklegen muss. Natürlich gibt es manchmal auch Auswegmöglichkeiten, indem man am Strassenrand im Gras geht oder in der Mitte der Schotterpiste auf dem Grasstreifen. Doch nicht jede Schotterpiste wird oder darf von der Natur zurückerobert werden. Des Schweizers sind seine Schotterpisten heilig. Die müssen in gutem Zustand sein. Ein Büschel Gras ist darf nicht sein.

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Man muss wissen wie man dem Schotter aus dem Weg geht

In meiner Region bin ich wohl zum Spezialisten geworden der genau weiss, in welchem Zickzack-verfahren man Schotterpisten umwandern kann. Dies verlängert die offizielle Wanderzeit natürlich teils enorm. Manchmal gibt es auch keine Alternativen, Schotterpisten zu umgehen. Dann muss man es einfach überstehen oder Notschuhe im Rucksack dabeihaben. So kann es vorkommen, dass ich meine Barfussschuhe auf einer regionalen Wanderung mehrfach anziehen und wieder ausziehen muss. Da leider mein Rücken auch nicht mehr der Jüngste ist, wird das manchmal zur Qual.

Und es wird immer schlimmer

Vor kurzem hat das Bauamt in meiner Wohngemeinde eine Teerstrasse, welche in schlechtem Zustand war, aus Kostengründe in eine Schotterpiste verwandelt. Das frische Teeren wäre teurer geworden. Meine Einsprache wurde daher abgelehnt. Es handelt sich bei besagter Strasse leider um jene, welche hinab zur Limmat zu schönen Barfusswegen führt. Bisher konnte ich von Zuhause barfuss loslaufen und über die Teerstrasse zu den schönen Feld- und Waldwegen gelangen. Doch nun muss ich zwischendurch Barfussschuhe anziehen, denn 3 Kilometer Schotterpiste halte ich einfach nicht durch.

Ich weiss nicht wie andere Barfüsser mit Schotter umgehen. Aber ich habe keine Lust, mich zu quälen, nur um Barfuss bleiben zu können. Da nehme ich halt lieber die Barfussschuhe zur Hand und überbrücke die unangenehmen Stücke so.

Es bleibt zu hoffen, dass das Beispiel meiner Wohngemeinde bei der aktuell aufkommenden Geldknappheit der Kommunen nicht Schule macht.

Kusi