Barfuss macht Spass.

005 – ein Hoch auf das Barfusswandern

Wandern ist die wohl gesündeste Art ,sich sportlich zu betätigen. Und wenn man auch noch barfuss unterwegs ist, tut man sich grad nochmals etwas Gutes. In diesem Podcast berichte ich über meine Erfahrungen zum Barfusswandern. Ich erkläre euch warum Barfusswandern für euch besonders gut ist. Wandern ist nicht nur Volkssport Nummer eins, sondern zudem sehr […]

 

Nachfolgend der geschriebene Text zum Podcast auch zum nachlesen. Der Text kann gegenüber dem Podcast durchaus etwas anders daherkommen.

«Laufen ist eines der ersten Dinge die ein Kind tun möchte und eines der Dinge, die man am schwersten aufgeben will. Laufen ist eine Bewegung die keine Turnhalle braucht. Es ist ein medizinisches Rezept ohne Medikament, es ist eine Gewichtskontrolle ohne Diät und eine Kosmetik , die man nicht chemisch beschreiben kann. Es ist ein Schlafmittel ohne Tablette, eine Psychotherapie ohne Analyse und ein Ferientag der fast nichts kostet. Ausserdem trägt Wandern nicht zur Umweltverschmutzung bei, verbraucht fast keine Rohstoffe und ist hocheffektiv. Wandern ist bequem, es braucht meist keine besondere Ausrüstung. Es reguliert sich von selbst und ist kaum verletzungsträchtig. Laufen ist so natürlich wie Atmen.» 

„The Magic Of Walking“ von Aaron Sussman und Ruth Goode, 1967)

Ich hätte Mühe, nicht wandern zu können. Nicht jeden Tag. Aber immer wieder und wenn möglich auch regelmässig. Für mich ist das Wandern etwas ganz wichtiges geworden. Bereits als kleiner Junge durfte ich mit meinen Eltern in die Berge fahren und dort schöne Wanderungen erleben. Für mich war es nie ein Müssen. Ich bin immer sehr gerne mitgefahren.

Diese Wanderfreude ist mir bis heute geblieben. Seit 10 Jahren ist aber auch noch eine zusätzliche Freude dazu gekommen. Barfüssiges Wandern. Jede Wanderung ist für mich nur noch reinstes Glück auf Erden. Dieser zusätzliche Genuss, auch den Boden zu spüren, hat die Wandererlebnisse nochmals eine Stufe höher gestellt.

Welchen Einfluss hat eigentlich das Wandern auf unseren Körper?

Herz und Kreislauf:
Regelmässige und moderate Bewegung senkt das Risiko, an Herz-Kreislauf-Störungen zu erkranken. Wandern stärkt das Herz-Kreislauf-System und führt zu neurophysiologischen Verbesserungen.

Durch barfüssiges Wandern wird der Blutfluss zusätzlich angeregt. Die Fussreflexzonen sollen durch die natürlich Massage beim barfüssigen laufen einen besonders positiven Einfluss auf die inneren Organe ausüben.

Übergewicht:
Etwa 350 Kcal pro Stunde verbrennt man bei einer leichten Wanderung, bei einer Wanderung im Gebirge steigt der Verbrauch auf 555 Kcal. 

Wandern stellt eine Ausdauersportart dar, die sich im Gegensatz zu anderen Ausdauersport­arten auch noch von Menschen mit Über­gewicht durchführen lässt. 

Durch das hohe Eigen­gewicht verbrauchen gerade Übergewichtige mehr Energie als der Durchschnitt. Der Anteil der Fettver­brennung am gesamten Stoffwechsel liegt beim Wandern mit 40 – 60% doppelt so hoch wie beim Joggen.

Bewegungsapparat:
Im Bereich der unteren Extremi­täten werden Knochen, Gelenke, Sehnen und Bänder stabilisiert und gestärkt. Es kommt damit zu einer Entlastung der Knie und Hüftgelenke, zum Training der gesamten Haltemuskulatur des Körpers (Wirbelsäule, Körperhaltung). Dies verringert das Verletzungsrisiko im Alltag.

Und wer barfuss wandert, wird seinem Bewegungsapparat zusätzlich Gutes tun. Der Fuss kann sich frei bewegen. Der Fuss schwitzt nicht, die Zehen werden beweglicher und man steht sicherer auf dem Boden. Die Wirbelsäule und der Rücken erfahren eine speziell gesunde Haltung und Stärkung. Chronische Rückenschmerzen können auf diese Weise gemindert bis hin zu ganz geheilt werden. Der Gleichgewichtssinn wird zusätzlich gestärkt.

Immunsystem:
Regelmässige Bewegung bewirkt eine Stärkung des Immunsystems und damit eine geringere Anfälligkeit gegenüber Infektionskrank­heiten. Wer auch bei kühleren Temperaturen barfuss unterwegs ist, wird sich vielleicht wundern, dass er weniger Empfänglich für Erkältungen oder Grippe ist. Denn der Wärmehaushalt des Körpers wird durch barfüssiges Wandern besonders gut ausgeglichen. Wichtig ist aber in jedem Fall, dass der Oberkörper nicht friert. Hier muss der Barfusswanderer besonders gut darauf achten.

Diabetes:
Bewegung erhöht die gestörte Glukose­toleranz und Insulinsensitivität durch die Vermehrung der körpereigenen Insulinzellen. Die Ausübung von Sport gestaltet sich für Diabetiker jedoch nicht unproblematisch: längere Belastungen mit niedriger Intensi­tät, wie sie das Wandern darstellt, sind kurzen Belas­tungen mit hoher Intensität vorzuziehen.

Barfusswandern kann für Diabetiker mit einem diabetischen Fusssyndrom (DFS) eine gewisse Gefahr mit sich bringen. Wenn ein Diabetiker den Blutzucker aber gut im Griff hat und nicht unter DFS  leidet, trägt er beim Barfusslaufen kein grösseres Risiko als Nicht-Diabetiker. Wer seinen Blutzucker aber nicht im Griff hat, sollte beim Barfusslaufen vorsichtig sein. Diabetes bedeutet also nicht zum Vornherein, dass man nicht barfusslaufen darf.

Atemwege:
Regelmässiges Wandern führt zur Ver­grösserung des Atemzugvolumens und der Lungen­vitalkapazität. Dies hat eine tiefere, regelmässigere Atmung, eine geringere Atemfrequenz und eine bessere Durchblutung der Lunge zur Folge.

Alter:
Regelmässiges Wandern auch im höheren Älteren bewirkt eine Verbesserung der Kraftausdauer und neuromuskulären Koordination. Wandern verringert somit das potentiell höhere Sturzrisiko bei Älteren und steigert die körperliche Leistungsfähigkeit. Beides sind Faktoren für ein längeres, gesünderes und angenehmeres Leben.

Wandern hat aber nicht nur positive Effekte auf den Körper, sondern auch auf die Seele.

Wandern verstärkt infolge eines veränderten Stoffwechsels die Pro­duktion körpereigener Hormone und Botenstoffe wie Serotonin und Dopamin. Damit verbinden sich Gefüh­le des Wohlbefindens und Glücks sowie die Reduzie­rung von negativen Stimmungen wie Trauer und Ärger. Und wenn man zusätzlich auch noch barfuss wandert wird man mit einem Glücks-Cocktail richtiggehend verzaubert.

Stress:
Studien haben gezeigt, dass es ausreicht, ein Bild einer Landschaft zu betrachten oder aus dem Fenster zu schauen, um Puls, Blutdruck und Muskeltonus zu senken sowie die Ausschüttung von Stresshormonen zu reduzieren. In der freien Natur verstärkt sich dieser Effekt zusätzlich

Länger andauernde körperliche Belastung ist also ein probates Mittel zum Abbau von akutem Stress. Weitere positive Effekte sind eine Zunahme der Stress­resistenz, eine Reduktion des Stresshormons Kortisol sowie eine Erleichterung der Stressbewältigung. Wenn Du beim barfüssigen Wandern auch noch die Sinnlichkeit des Bodens spürst, wird Deine Seele eine wunderbare Veränderung erfahren.

Depression:
Leichten und mittleren Formen der Depression kann durch regelmässige Bewegung präventiv und therapeutisch begegnet werden. Die antidepressive Wirkung des Wanderns erreicht teilweise diejenige von einschlägigen Medikamenten und psychotherapeutischen Behandlungsmethoden. Beim Wandern kann man extrem gut abschalten. Man fühlt sich wohl und frei von allen Alltagssorgen.

Demenz:
Der kognitive Leistungsabbau kann durch regelmässiges, ausdauerndes Gehen verlangsamt werden. Wandern beugt der  Entwicklung einer Demenz vor und wird als Möglichkeit zur Steigerung und zum Erhalt der kognitiven Funktionsfähigkeit empfohlen.

Einsamkeit:
Einsamkeit wurde in den letzten Jahren als Ausgangslage für verschiedenste körperliche- und seelische Probleme erkannt. Menschen welche sich alleine oder Einsam fühlen, können mit Wandern eine äusserst positive Grundstimmung erreichen. Denn der Kontakt mit der Natur erzielt ein ähnliches Gefühl wie der Kontakt mit vielen Menschen.

Wundermittel Wandern?

Auf jeden Fall ist das Wandern eine hervorragende Prävention. Und das erst noch ohne viel Geld investieren zu müssen. Die ruhige Bewegung in der Natur beruhigt und lässt den Alltagsstress vergehen. 90% der Wanderer fühlen sich nach der Wanderung seelisch fitter, 80 % empfinden sich generell zufriedener und 50% fühlen sich nach der Tour sogar körperlich fitter.

Über 60 Prozent der Befragten fühlen sich weniger gestresst  und 73 Prozent erzielen durch das Wandern ein positiveres Lebensgefühl. Man fühlt sich leistungsfähiger im Beruf und im Alltag (52 Prozent) und hat ein besseres Körper- oder Selbstwertgefühl (58 Prozent). 79 Prozent schlafen nach regelmässigem Wandern besser. Wer im Verlauf des Lebens das Wandern hat lieben lernen, wird zu 71% auch in höherem Alter Wanderungen unternehmen und wird dadurch fitter und zufriedener sein. Ferner bewegen sich 66 Prozent der Wanderer im Alltag regelmässiger, weil sie vermehrt alltägliche Wegstrecken lieber zu Fuss unternehmen. 

Risiken?
Risiken und Nebenwirkungen gibt es beim Wandern kaum – von einem Muskelkater nach einer langen Wanderung abgesehen.

Barfusswanderer können auch mal eine kleine Verletzung mit nach Hause nehmen (eingetretene Dorne, Blasen, kleine Schnittverletzungen wegen scharfer Steine oder auch mal eine verstauchte Zehe, wenn man sich irgendwo stösst). Bei mir überwiegen die gestossenen Zehen, weil ich oft zu Faul bin, meine Füsse richtig anzuheben. Die fehlenden Schuhe und das dadurch fehlende Gewicht lässt mich meine Füsse manchmal weniger hoch anheben. Aber solche Kleinigkeiten nehme ich liebend gerne in Kauf zugunsten des irren Glücksgefühls beim barfüssigen Wandern.

Man muss die eigene Leistungsfähigkeit kennen.
Trotz möglicher Glücksgefühle beim Wandern sollten aber vor allem Anfänger die Belastung auf den Körper und die baren Füsse nicht unterschätzen. Das heisst, man muss dem Körper und den Füssen Zeit geben, sich auf die Anforderungen einzustellen. Wandern in der Natur ist eine Therapie. Natur ist der einzig unbestrittene Wert, den wir zurzeit haben.

Das Wandern ist grundsätzlich ungefährlich, wenn man mit offenen Augen und bei klaren Sinnen unterwegs ist. Nicht die Berge und Wege machen den Bergsport gefährlich, sondern die persönliche Leistungs-Überschätzung des Wanderers. Die eigene Leistungsfähigkeit, der Trainingszustand oder das alpine Können muss man kennen. Eine längere Bergtour muss zudem gut geplant werden.Und man muss wissen, wie sich das Wetter entwickeln kann. Entsprechend muss auch die Ausrüstung und Kleidung eingeplant werden. Was man zum Wandern alles braucht, im Speziellen zum barfüssigen Wandern, das folgt in einem anderen Artikel.

Grundsätzlich kann ich das Wandern generell, das barfüssige Wandern im Speziellen nur empfehlen. Einen besseren Sport und eine gesündere Freizeitgestaltung wird man kaum finden.

„Wandern ist kinderleicht. Es ist allen zugänglich – jung, alt, arm, reich, männlich, weiblich. Einen persönlichen Stil bildet jeder Wanderer, jede Wanderin von selbst aus. Einfach losgehen. Entscheidend ist nicht das Logo an der Jacke. Offen sein, durchlässig werden für die Einflüsse von Natur und Landschaft und nicht zuletzt für die innere Stimme. Unterwegs die Pforten der Wahrnehmung möglichst weit öffnen. Für die Blickachsen, Duftfelder, Klangräume, in die man eintaucht. Unsere Sinne, die im urbanen Alltag verkümmern, wieder schärfen – darauf kommt es an. Strapazen und die Bereitschaft, manchmal bis an die eigenen Grenzen zu gehen, gehören durchaus dazu. Essenz des Wanderns ist das Erlebnis von Freiheit: Ich verfüge souverän über Raum und Zeit.“

(Ulrich Grober, deutscher Journalist und Autor, *1949)