Barfuss macht Spass.

009 – die ersten Herbsttage

Die ersten Herbsttage sind meistens noch warm und perfekt zum Barfusslaufen. Ich gehe am liebsten in den Wald und suche Pilze. Querfeldein barfuss durch den Wald. Aber auch in der Stadt läuft es sich im Herbst perfekt barfuss. Vorschau auf Folge 10: Wenn man Nachts nicht schlafen kann, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, sich zu verhalten. […]

Nachfolgend der geschriebene Text zum Podcast auch zum nachlesen. Der Text kann gegenüber dem Podcast durchaus etwas anders daherkommen.

Herbstzeit – Barfusszeit?

Kaum ist die erste Herbstkühle eingetroffen, träume ich dem tollen Sommer hinterher. Ja, das war wirklich ein Sommer der Superlativen. Ein richtiger Barfusssommer. Perfekter hätte es kaum sein können.

Gestern war ich einkaufen. Blauer Himmel, Sonnenschein. Und 18,7 Grad Lufttemperatur. Ich war barfuss, mit kurzen Hosen und einem T-Shirt unterwegs. Auf den Strassen kamen mir meist winterlich eingehüllte Menschen entgegen. Ob die geglotzt haben, kann ich nicht genau sagen. Auf alle Fälle fühlte ich mich irgendwie im falschen Film. Mir kam es vor, als hätten die Menschen nur so darauf gelauert, endlich ihr Winterzeugs anziehen zu können. Komische Menschheit. Wie auf Befehl oder anhand eines Kalenderdatums werden die Winterkleider hervorgeholt.

Barfuss durch den Herbst. Ein Genuss. Besonders wenn es durch den Wald geht. Das Laub der Bäume ist wie ein weicher Teppich. Das Rascheln beim Gehen. Der Geruch. Speziell, aber angenehm und erfrischend.

Was ich ganz gerne mache, ist Pilze sammeln. Pilze sammeln hat etwas sehr beruhigendes. Man ist konzentriert und freut sich über jeden Pilz, den man findet und vor allem auch kennt. Ab und zu nehme ich auch einen Pilz bei dem ich nicht sicher bin. Die Pilzkontrolle wird mir dann schon sagen, ob ich richtig liege.

Während des Pilze sammeln verlässt man natürlich die Wege. Man geht einfach quer durch den Wald. Die Augen auf den Boden gerichtet. Ihr merkt, Barfusslaufen passt perfekt zum Pilze sammeln. Oder umgekehrt. Ich gehe jedes Jahr immer an dieselben Orte zum Pilze sammeln. Das sind geheime Orte. Hat man ein gutes Pilzrevier gefunden, muss man auf dem Maul sitzen. Hier bin ich Egoist. Dafür verteile ich aber viele Pilze an Nachbarn. So viel essen kann ich meistens nicht. Und die Pilze werden auch immer gerne genommen.

Was gibt es besseres als ein frisches Pilzragout oder gefüllte Pastetchen mit Pilzen aus biologischem Anbau? Beim Pilze sammeln ist man unterschiedlich lang unterwegs. Je nachdem wie viele Pilze es hat. In diesem Jahr war es sehr trocken. Pilze mögen das nicht besonders. Aber wo es regnet, spriessen Pilze – allerdings mit etwas Verzögerung. Saprobionten, also zersetzende Pilze, wie etwa die Wiesenchampignons brauchen etwa fünf bis zehn Tage, um zu wachsen. Symbionten brauchen länger, etwa 10 bis 20 Tage. Zu ihnen zählen etwa Pfifferlinge oder auch Steinpilze, die in Gemeinschaft mit verschiedenen Baumarten leben. Aber ein einzelner Regenschauer reicht nicht aus. Damit die in der Erde oder im Baumholz verborgenen Myzele Fruchtkörper bilden, muss es mehrmals ordentlich geregnet haben. Und dieser Regen fehlt in diesem herbst leider seit langem. Es ist so trocken wie schon lange  nicht mehr. Das merkt man auch an den sehr tiefen Pegelständen der Flüsse und See.

Man muss aber natürlich nicht Pilze sammeln, um den Wald barfüssig erkunden zu können. Man kann auch Kräuter sammeln oder einfach nur den Wald und die unterschiedlichen Untergründe erkunden. Es braucht ja nicht zwingend einen Grund um in den Wald zu gehen. Herbst, Barfuss und Wald sind halt immer eine tolle Kombination. Ich kann Euch vor allem den frühen Morgen empfehlen. Wenn die Böden noch etwas feucht sind und leichte Nebelschwaden durch die Bäume ziehen. Der Wald ist dann ruhig und einsam. Genau so stellt man sich Szenen in einem mystischen Spielfilm vor.

Wenn man ganz ruhig unterwegs ist hat man auch die Chance Wildtiere zu sehen. Rehe und Hirsche mögen den frühen Morgen und auch den Abend kurz vor Sonnenuntergang besonders. Gute Chancen auf Rotwild hätte man während herbstlichen Gewittern oder kurz danach, wenns denn mal gewittern würde. Rotwild mag keinen Regen im Wald. Dann ziehen sie gerne auf Lichtungen.

Idealerweise ist man vor Sonnenaufgang irgendwo bei einer Lichtung oder einer grossen Wiese am Waldrand, am besten auf einem Hochsitz. Und wenn dann der Wind auch noch günstig steht, kann man durchaus Glück haben und eine ganze Herde Rotwild beobachten. Wer barfuss im Wald unterwegs ist, kann aber auch einfach so Glück haben. Denn Barfussläufer sind besonders leise unterwegs. So leise das man sich plötzlich Auge in Auge mit einem Hirsch befindet. Das ist mir schon einige Male passiert. Ich weis aber nicht wer sich jeweils mehr erschreckt. Der Hirsch oder ich…

Im Herbst lässt sich aber auch in der Stadt barfuss gehen. Gerade jetzt wenn es derart trocken ist. Die Böden sind noch nicht sehr kühl. Man muss sich keine Sorgen wegen möglicher Erfrierungen machen. Auch hier gilt – einfach loslaufen. Du musst dich weder fürchten noch schämen. Im Gegenteil. Falls es jemand bemerkt werdet ihr bewundert.

Es ist aber meistens so wie immer – die oftmals gestressten Leute nehmen es war, aber denken sich nichts dabei und eilen weiter ihres Weges. Es kommt natürlich auch etwas auf das Erscheinungsbild an. Wer einen spiesspürgerlichen Kleidungsstiel hat, wird weniger auffallen als wenn man in ausgefallener Kleidung daher kommt.

Helle Hosen machen das Barfussgehen übrigens unauffälliger wie dunkle Hosen. Je breiter die Hosenbeine sind, desto weniger sieht man die Füsse. Ich werde aber meinen Kleidungsstiel nicht auf die Barfüssigkeit abgleichen, sondern so rumlaufen, wie ich es immer tue. So wie mein Style halt ist.