Barfuss macht Spass.

Endlich Frühling. Und bald Sommer. Das warme Wetter der letzten Tage hat mich dazu animiert, wenn immer möglich barfuss unterwegs zu sein. Ich nutzte daher am Samstag die Gelegenheit zu einem längeren Foto-Walk durch unsere Bundeshauptstadt. Ist Bern ein Barfussmekka?

Anreise

Die Anreise erfolgte natürlich mit dem Zug. Dank der Spartickets konnte ich von fast 50% Rabatt profitieren. Wenn man bereit ist ausserhalb der Hauptreisezeiten zu fahren, lässt sich einiges an Geld einsparen. Ich bin deswegen bereits um 5:30 Uhr bei mir Zuhause losgefahren.

Cafe-Bar

In Bern angekommen steuerte ich zuerst Adrianos Cafe-Bar an. Man kennt sich. Ich machte es mir an einem kleinen Tischchen neben der runden Fensterecke bequem. Von hier aus kann man das Treiben in den Gassen um die Zytglogge herum beobachten. Obschon es noch früher Morgen war, waren bereits viele Leute unterwegs. Bern ist wie ein grosses Bienenhaus. Und da die relativ grosse Altstadt weitestgehend Autofrei ist, sind die meisten Menschen zu Fuss oder mit dem Tram unterwegs.

Andere Barfussläufer habe ich aber während des ganzen Aufenthaltes nicht entdeckt. Wobei ich sagen muss, dass ich jetzt nicht speziell darauf geachtet habe.

Nach dem Kaffee inkl. Lachsbrötchen trat ich wieder auf die Münstergasse hinaus. Den Fotoapparat bereits in den Händen haltend wende ich mich einem meiner Hobbys, der Fotografie zu. Die Strassenfotografie hat es mir besonders angetan. Man lernt eine Stadt auf eine ganz andere Weise kennen. Bewusster. Intimer.

Streetfotografie

Mit einer Kamera in der Hand fällt man aber eine Spur mehr auf. Dank meiner kleinen Canon M5 mit ebenso kleinem 50mm-Objektiv könnte ich vielleicht als Tourist durchgehen. Doch als Strassenfotograf ist man anders unterwegs, als es Touristen zu tun pflegen. Die Touristen gehen, sehen, drücken ab und gehen weiter. Als Strassenfotograf ist man langsamer unterwegs. Man sucht sich gute Kompositionen, welche man in Szene setzen kann. Man wartet, bis die richtigen «Leute» am richtigen Ort sind. Das kann dauern. Ich halte mich des Motives und der Idee wegen auch öfters länger an einem Ort auf. Ich wechsle die Position um ein paar Meter und mache vielleicht nochmals ein Foto. Man macht verschiedene Einstellungen, solange bis es passt. Das fällt vielleicht eher etwas mehr auf. Wenn ich als Strassenfotograf dann auch noch barfuss unterwegs bin, werde ich schon ab und zu mal gemustert. Aber sind wir ehrlich. Wenn ich auf der Strasse gehe mustere ich die anderen Menschen ja auch. Und die haben in der Regel alle Schuhe an. Ich denke es liegt in der Natur des Menschen, dass man sich gegenseitig mustert. Meistens vermutlich unbewusst ohne sich danach erinnern zu können. Das ist wohl ein Sicherheitsbestandteil unseres Seins, welches in unserem Unterbewusstsein auf Empfang ist.

Die Strassenfotografie ist an und für sich schon die heikelste Form der Fotografie. Nicht alle Menschen werden gerne fotografiert. Und schon gar nicht ungefragt. Deswegen versuche ich meine Kompositionen so zu gestalten, dass es die Leute nicht gross bemerken. Natürlich – wer sich im öffentlichen Raum bewegt muss damit rechnen irgendwann auf Fotos in privaten Alben zu erscheinen. Da ich aber auch Fotos meiner Arbeiten veröffentliche, habe ich ein besonderes Auge darauf.

Ich werde kaum angesprochen

Es ist aber unausweichlich, dass ich ab und zu – aber eher selten, angesprochen werde. «Haben sie mich jetzt fotografiert? Fotografieren sie hier Menschen»? Die Angst auf einem Bild zu sein, ist bei einigen Zeitgenossen furchteinflössend. Die Angst durch eine Veröffentlichung des Fotos erkannt zu werden, führt bei vereinzelten Personen fast zur Paranoia. Ich habe aber Verständnis für solche Reaktionen. Manchmal befinden sich Menschen an Orten, wo sie vielleicht nicht sein sollten. Weil sie sich beim Arbeitgeber krankgemeldet haben? Weil sie mit einer Person unterwegs sind während Zuhause der Ehepartner wartet? Wer weiss das schon. Obschon sie selber Schuld sind ist es meine Pflicht als Fotograf, darauf Rücksicht zu nehmen.

Auf meine Barfüssigkeit werde ich als Streetfotograf aber kaum angesprochen.

Ich habe in meinem GPS die wichtigsten Punkte gesetzt und die Tour dann in einem speziellen Tool nachgebaut. Wenn man die Strecke ununterbrochen geht, benötigt man etwas mehr als 2 Stunden. Mit dem Fotoapparat und den Pausen wegen (Essen, Kaffee, Bierchen) war ich aber natürlich nicht so schnell unterwegs. Ich hatte aber genügend Zeit, da ich des Spartickets wegen erst nach 21 Uhr zurückfahren konnte.

Warum sich Bern lohnt

Die Stadt Bern hat ein spezielles Flair. Sie ist weniger hektisch als andere Städte. Die Leute sind cooler und entspannter.

Ich kann daher nur wärmstens empfehlen, mal einen Tag lang Bern zu geniessen. Man kann viele Sehenswürdigkeiten angucken. Es hat dutzende Museen und Galerien. Im Sommer lässt sich in der Aare perfekt schwimmen. Bern ist ein Flussschwimm-Mekka. Bern hat wirklich viel zu bieten. Geht aber nicht am Sonntag, sondern unter der Woche. Dann haben die Läden offen. Es hat viel mehr Betrieb. Nur so kann man das echte Leben einer Stadt kennenlernen.

Zuhause angekommen musste ich feststellen, dass meine Fusssohlen dunkler, aber nicht schwarz waren. Das hatte vermutlich damit zu tun, dass es immer mal wieder kurz geregnet hatte und dadurch der Strassenstaub weggeputzt wurde.

Und abschliessend bleibt zu sagen: ja, Bern ist ein Barfuss-Mekka.