Die Wanderung von Mostelberg nach Oberiberg ist der ideale Barfuss-Spass – Schuhe komplett überflüssig!
Ich laufe zwar fast täglich barfuss im Büro vom Schreibtisch zur Kaffeemaschine und im Sommer auch schon mal barfuss durchs Dorf, aber so leicht, wie Frodo über Stock und Stein durch Mordor spaziert, geht mir grober Schotter dann doch nicht unter die Sohlen. Deshalb startete ich unsere Herbstwanderung von Mostelberg nach Oberiberg wie meine beiden Begleiter in ganz normalen Turnschuhen, bevor ich realisierte, dass meine Treter nichts als unnötiger Ballast waren.

Wir starteten morgens um 10 Uhr in Sattel (SZ) an der Dreh-Gondelbahn nach Mostelegg.
Die Schlange an der Talstation und die vielen überbreiten Baby-Offroader, die kaum in eine Gondel passten, liessen uns drei Ruhe und Entspannung suchende Männer erschaudern. Mostelberg ist zumindest während der Schulferien keine idyllische Berglandschaft sondern ein einziger Rummelplatz mit Hüpfburgen und Kleinkindgeschrei. Ein Abstecher über die 374 Meter lange Fussgänger-Hängebrücke ist zwar wegen des Gitterbodens nicht gerade barfussfreundlich, aber dennoch ein Erlebnis wert. Der schmale, schwankende Steg ist ein Gaudi und der ideale Trunkenheitssimulator für jeden Abstinenzler und Oktoberfest-Verweigerer.

Panorama
Der kurze Rundweg von Mostelberg bis Herrenboden ist ein Flanierweg für Familien mit Kinderwagen. Wem der feine Splitbelag zu unangenehm ist, kann gut daneben im weichen Gras laufen. Ab Herrenboden ist der Weg asphaltiert und kurz vor Mostelegg geht der Barfuss-Spass dann richtig los. Ein schmaler Trampelpfad biegt links ab über eine Wiese und rechts öffnet sich ein fantastisches Panorama von der Rigi über den Lauerzersee bis zum Vierwaldstättersee.

Schuhe gehören in den Rucksack
Hier steckte ich Spätzünder endlich meine Schuhe in den Rucksack und mein T-Shirt gleich dazu, denn so einen schönen Sommertag mitten im Oktober musste ich unbedingt direkt auf meiner Haut spüren. An vielen Kuhfladen vorbei führte uns der Trampelpfad bis Haggenegg, vom Geruch her unverkennbar ein Mekka für Ziegenkäseliebhaber. Ein kurzes Stück auf Asphalt durch den Weiler, dann biegt der Wanderweg nach rechts ab über eine weiche Wiese. Wer hier noch Schuhe trägt, ist selber schuld, und dementsprechend neidisch schauten mir einige Kinder hinterher. Der Weg über saftig grüne Alpwiesen führt 320m hinunter nach Brunni. Ein kurzes Stück im Wald war steinig, aber noch lange kein Grund, vor meinen Freunden als Weichei da zu stehen und die Schuhe wieder anzuziehen. Von Gummenwald bis hinunter ins Tal wäre ich am liebsten quer über die Wiesen gelaufen, doch frischer Kuhmist zwang uns auf die asphaltierte Strasse durchs Dorf.

Vom Punkt 1090 führt der Weg nun wieder 436 Höhenmeter bergauf bis zum Bergasthaus Furggelen. Der lange Aufstieg fordert Kondition, ist aber ein absoluter Barfuss-Traum! Auf den saftigen Wiesen „Erlenblätz“ und „Langried“ trat ich genüsslich in jeden Matsch, während sich meine Freunde immer mehr Sorgen um ihre nassen Schuhe machten. Der Ausblick zurück übers goldgelbe Riet auf Haggenspritz und Mythen war unvergleichlich schön!

Nach der Pause
Nach einer kurzen Pause kurz nach halb eins nahmen wir den Abstieg unter die Füsse und schon nach wenigen Metern wurde mir klar, warum uns niemand folgte. Der Weg durch das Sumpfgebiet „Unterbäch“ war für meine beschuhten Begleiter der Horror, aber barfuss einfach nur saugeil! Wer im Sternzeichen Schwein geboren ist und auf Schlamm zwischen den Zehen steht, kommt hier voll und ganz auf seine Kosten! An den besonders sumpfigen Stellen patschte ich extra mitten hindurch und sank dabei mehrmals knietief in den morastigen Boden ein.

Barfuss bis zum Hals und ein wasserdichtes Handy wären auf diesem Weg sicher das ideale Outfit! Der sumpfige Spass durch Rietland, Wiesen und Wäldchen reicht bis hinunter zum Punkt 1286. Von dort aus führt zum Schluss ein etwas steiniger Weg durch den Wald nach Oberiberg, der barfuss nicht mehr ganz so lustig, aber durchaus noch betretbar ist. Wer wie ich pieksige Steinchen genauso hasst wie Schuhe, kann sich auch mit einem alten Paar Tennissocken über den letzten Kilometer retten.

Restaurantbesuch
Wer auf dem sumpfigen Pfad so richtig die Sau rausgelassen hat und sich nicht wie ein verschlammter Hobbit in die nächste Gartenbeiz setzen will, hat im eiskalten Fallenbach eine letzte Gelegenheit, sich frisch zu machen. Halbwegs sauber und pflichtbewusst zog ich auf der Treppe zur Restaurant-Terrasse auch wieder mein T-Shirt an und überlegte mir noch, wie man hier im Dorf wohl auf barfüssige Menschen reagiert, doch die freundliche Servierdame ignorierte meine nackten Füsse, lächelte nur und meinte, mein Hemd anzuziehen, sei doch wirklich nicht nötig gewesen. So bestellte ich gleich noch einen Drink und genoss ein letztes Mal die traumhafte Herbstsonne auf der Haut, bevor wir per Postauto via Einsiedeln und Biberbrugg zurück zu unserem Auto nach Sattel Talstation fuhren.

Daten
Distanz: ca. 15km
Mostelberg-Mostelegg-Hagenegg-Gummenwald-Brunni-Erlenblätz-Langried-Furggelen-Unterbäch-Oberiberg

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