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Sonnenschein, nicht zu heiss und ein paar Tage Ferien. Was kann man schöneres unternehmen, als wandern zu gehen. Die heutige Tour führt mich über den Wildheupfad oberhalb des Urner Sees. Der Wildheupfad folgt in einem weiten Bogen, in ständigem Auf und Ab der steilen Flanke des Rophaien. Er führt durch eine der grössten, zusammenhängenden Wildheuflächen in der Schweiz. Der Pfad führt teilweise entlang steil abfallenden Geländes, so dass man ihn bei Nässe vielleicht besser meidet. Ein Abrutschen kann böse enden.

Mit der Bahn fahre ich bis nach Flüelen. Vom Bahnhof Flüelen gehe ich in etwa 15 Minuten zur Talstation der Eggberge. Die Fahrt kostet 12 Franken und führt auf den 1452 Meter hohen Eggberg. Bevor die Wanderung beginnt, geniesse ich auf der Aussichtsterrasse des Restaurant Seeblick ein Käfeli.

Danach geht es endlich los. Doch habe ich mich zu früh gefreut. Der Weg führt über eine unangenehme, breite Schotterstrasse, welche kleine Häuschen an die Zivilisation anschliesst. Es werden immer noch neue Häuschen gebaut. Für mich unverständlich. Müssen die Berge immer weiter zugebaut werden?

Wenigstens die Aussicht stimmt.

Nach etwa 10 Minuten, in denen ich auf Grasstreifen oder direkt auf hartem Schotter gehe, keimt Hoffnung auf. Die Schotterstrasse bekommt einen grünen Mittelstreifen, welchen ich sehr gut gehen kann.

Nur noch ein paar Häuser, dann gibt es keinen Grund für weiteren Schotter. Die Hoffnung steigt weiter, der Spass kehrt zurück.

Und dann geht es endlich los. Mit einem Wanderweg, welcher zwar Steinig, aber dennoch gut begehbar ist. Mein Herz springt beim ersten Bach und ich geniesse ein erstes, kühlendes Fussbad.

Der Weg führt durch einen verwunschenen Wald. Meine Fusssohlen spüren einen Mix aus Waldboden, kleinen und grösseren Steinchen, Wurzeln und Tannenadeln.

Danach folgt wieder eine Schotterstrasse, welche ich tapfer bewältige. Zum Glück ist dieser Streckenteil nur kurz (3 Minuten).

Nach dem kurzen Schottersträsschen wird es wieder angenehmer.

Der Weg führt zwischen Felsen hindurch, welche von Felsstürzen oder Gletschern stammen. Diese mosigen Riesen sind wohl hunderte Tonnen schwer und 150 Millionen Jahre alt.

Immer wieder folgen kleine Bächlein, über welche manchmal Brücklein führen. Oftmals muss man aber auch über Steine hüpfen oder einfach hindurchgehen und ein Fussbad nehmen.

Danach gab es ein kleines Missgeschick. Ich bemerke es erst, als ich auf meine Füsse schaue. Eine Zehe blutet. Nicht unter der Zehe, sondern auf der Zehe. Ein kleiner Schnitt, welchen ich nicht bemerkte. Ob ich mich irgendwo unbewusst gestossen habe? Da ich immer eine kleine Reiseapotheke dabei habe, wirde das Missgeschick schnell behandelt. Etwas Merfen auf die Wunde, ein Pflaster um die Zehe und noch mit Tape fixieren. Es hat die ganze Wanderung hindurch gehalten.

Zehe nur mit Pflaster. Das Tape gab es dann erst im zweiten Versuch

Ich komme auf eine grosse Alp (Unter Hüttenboden). Die Wege werden ganz sanft und lieblich, da es reine Graswege sind. Eine Wohltat für die Füsse. Zwei Bänke neueren Datums laden zum Verweilen ein. Ich geniesse die Aussicht, den Sonnenschein und einfach das Hier sein.

Mein Rucksack ist wie immer mit dabei. Heute habe ich nur eine Flasche Wasser, meine Reiseapotheke und eine dünne Jacke im Gepäck. Trinken ist wichtig. Essen folgt später.

Auf meinem Rucksack habe ich auf Wanderungen meistens Notschuhe in Form meiner Barfussschuhe eingeklemmt. Heute habe ich sie aber nicht gebraucht.

Und hier noch ein kurzes Video in welchem ich zum Hüttenboden komme.

Die Alp ist wunderschön und vermutlich eine Paradies für die Braunvieh, welches hier saftiges Gras und gute Kräuter findet. Seile sind kreuz und quer gespannt, mit ihnen werden die Heuballen nach dem Mähen und Trocknen zu Tale befördert.

Und nochmals ein Video beim Marsch über die Alp.

Ich halte die Richtung, queren die Weiden und ein Waldstück, dort ein paar Höhenmeter verlierend, und gelange an die steile Flanke des Rophaien. Vielfältiges Gebüsch und Flora erfreuen Auge und Nase; trockene Wildbäche werden gekreuzt, ab und zu erspähe ich einen Blick auf den tiefblauen Urnersee direkt unter mir. An besonders steilen Stellen ist der Pfad mit Stahlseilen gesichert. Es ist  Konzentration gefordert, könnte ein Stolpern doch böse enden. Barfuss fühle ich mich aber in solchem Gelände immer wohler als in Schuhen. Ich habe ein viel besseres Trittgefühl.

Weiter gehts den steilen Hängen entlang, ein Wildbachübergang ist mit Seilen gesichert. Wo die Südflanke endet, gehts im Zickzack zur Franzen-Alp hinunter.

Es geht oftmals sehr Steil hinunter. Also immer schön auf dem Pfad bleiben.

Auf der Geländeterrasse weit unten sieht man den Weiler Oberaxen. Dei Braunvieh hat auch Nachteile. Sie zerstören manchmal Wanderwege, die dann weniger schön zu begehen sind.

Ich quere nun die etwas weniger steile westliche Flanke des Rophaien, auch hier gibt es ausgedehnte Wildheuwiesen.

Der Schlussabstieg kurvt auf gut angelegten, weichen Wegen voller Föhrennadeln durch das geschützte Waldreservat nach Oberaxen hinunter. Nur die letzten paar Höhenmeter sind dann unangenehm und sehr steinig. Deswegen wähle ich eine Abkürzung und schlittere eine steile, aber saftige Wiese hinunter.

Wo ich aus dem Wald trete, teilt sich der Weg (Abstiegsmöglichkeiten nach Flüelen); ich folge dem Weg durch landwirtschaftliches Gebiet zum Gasthaus und zur Bergstation Ober Axen.

Im Gasthaus Axen gibt es dann endlich etwas zwischen die Zähne. Ich entscheide mich für die Spätzlipfanne Axen. Es gibt so viel, dass ich fast nicht alles essen mag.

Zu meiner Barfüssigkeit wird natürlich nichts gesagt. Die anderen Gäste schauen nur etwas interessiert und tuscheln einen Moment. Immer diese Neider.

Unterwegs wurde ich öfters auf die fehlenden Schuhe angesprochen. Aber wie eigentlich immer nur positiv.

volle Distanz: 11.11 km
Maximale Höhe: 1548 m
Minimale Höhe: 454 m
Gesamtanstieg: 1031 m
Gesamtabstieg: -1475 m
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Meine Bewertung zur Wanderung auf dem Wildheupfad
8.2 Bewertung
Barfussfeeling9
Schotterfreie Wege9
Abwechslungsreiche Untergründe9
Kindergerecht5
Lust auf mehr9
Fazit
Diese Wanderung ist eher für den geübten Barfüsser geeignet. Anfänger werden schnell einmal an ihre Grenzen kommen, da die Wege doch oftmals Steine und Kiesel als Untergrund haben. Mir hat es nichts ausgemacht. Die ersten 10 Minuten und die letzten 10 Minuten sind für Barfussgeher ungeeignet. Entweder man sucht sich Ausweichmöglichkeiten am Rand der Schotterstrassen oder man zieht Schuhe an. Grundsätzlich ist es eine tolle Wanderung mit herrlicher Aussicht.