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Barfuss macht Spass.

Langstreckenläufer

Barfussgehen und die allgemeine Gesundheit unseres Körpers haben sehr viel miteinander zu tun. Unsere Füsse sind das Fundament des Körpers. Im Laufe eines Lebens legen unsere Füsse durchschnittlich 50’000 Kilometer zurück. Das ist mehr als einmal um die Erde.

Beim Gehen müssen die Füsse dabei das Zwei- bis Dreifache des Körpergewichts tragen und verschiedene Funktionen erfüllen: Sie federn den Auftritt ab, halten das Gleichgewicht, gleichen Bodenunebenheiten aus und sorgen für eine dynamische Fortbewegung. 26 Knochen, rund 20 Muskeln und über 100 Sehnen und Bänder machen den am stärksten belasteten Körperteil funktionsfähig.

Mit ihren rund 30‘000 Nervenendigungen ist die Fusssohle auch ein hoch entwickeltes Tastorgan.

Schon Leonardo da Vinci beschrieb den Fuss im 16. Jahrhundert ehrfürchtig als «ein Kunstwerk».

Früher

Noch Mitte des 20. Jahrhunderts war es in der Landbevölkerung Europas üblich, dass die Kinder im Sommer barfuss gingen. Meistens aus finanziellen Gründen da Schuhe zu teuer waren und deshalb für die wichtigen «Anlässe» geschont wurden. Der angenehme aber dazumal nicht wirklich beachtete Nebeneffekt des Barfusslaufens, war die Förderung der allgemeinen Gesundheit – im Speziellen der Fussgesundheit. An den Sohlen konnte sich nicht nur eine widerstandsfähige Hornhaut, sondern auch eine gesunden Fussstellung entwickeln.

Heute

Heutzutage sind Barfussläufer die seltene Ausnahme, obwohl Ärzte und Orthopäden dazu raten, so oft wie möglich barfuss zu gehen. Fast 70% der Menschen klagen dennoch über Fuss- und Rückenprobleme. Und das alles nur weil sie ständig Schuhe anhaben. Nur schon wenn man daran denkt, wie viel Leid und auch Geld (Krankheitskosten) eingespart werden könnte, wenn alle regelmässig barfuss laufen würden… man könnte laut losschreien.

Unwissenheit der Eltern schädigt die Gesundheit des Kindes langfristig

Die meisten Eltern versuchen ihre Kinder zum Schuhe tragen zu bewegen, obschon sich die Kinder barfuss am wohlsten fühlen. Dabei machen das die Kleinen instinktiv richtig, wenn sie so viel wie möglich barfuss laufen wollen. Für Kinderfüsse – und auch für Erwachsenenfüsse – gibt es nichts Besseres. Die Eltern meines es eigentlich nur gut. Doch meistens mangelt es (auch) in dieser Hinsicht um das Fehlen einfachsten Grundwissens. Bei Kindern sind Schuhe oft schon kurz nach dem Kauf zu klein. Der Fuss wird dadurch gestaucht. Deformationen sind an der Tagesordnung.

Studien beweisen es

Studien an der Indischen Bevölkerung, welche vor allem in ländlichen Gebieten immer noch sehr oft barfuss läuft, haben folgendes gezeigt: Wer barfuss geht, hat in jedem Alter signifikant weniger Fussprobleme. Dabei haben Ärzte die Füsse der Landbevölkerung mit denen der Stadtbevölkerung verglichen. Die Füsse der Landbevölkerung waren viel gesünder und beweglicher und die Muskeln und Sehnen stärker. Zudem haben die Menschen auf dem Land signifikant weniger Rückenprobleme.

Dass Schuhe oftmals nachteilige Funktionen haben, hat eine Studie der ETH Zürich ergeben: je höher der Absatz eines Schuhs, desto grösser ist die Verletzungsgefahr. Das seitliche Abknicken und damit die Gefahr von Bänderzerrung und Bänderrissen ist in Schuhen deutlich grösser als wenn man barfuss läuft. Die Geschichte der Schuhe ist auch die Geschichte der Fussdeformationen.

Die meisten Schuhe sind unbrauchbar.

Muskulatur stärken

Für eine gesunde Entwicklung der Füsse ist ein Training der Muskulatur notwendig. Tatsächlich müssen sich die Füsse ohne die schützende Schuhsohle beim Gehen ständig an die Unebenheiten im Boden anpassen. Die stützenden Muskeln werden dadurch ständig beansprucht und entsprechend ausgebildet und gestärkt. Diese Muskeln sind wichtig, weil sie das Quer- und Längsgewölbe an der Fußunterseite tragen. Verkümmern die Muskeln weil man ständig Schuhe anzieht, kann sich das Gewölbe absenken. Die Folge sind Fehlstellungen. Barfuss laufen ist daher die beste Vorsorge gegen Senk-, Spreiz- und Plattfüße. Je weniger Bänder, Sehnen und Muskeln belastet werden, desto eher bilden sie sich also zurück. Barfusslaufen hilft, diesen Gefahren zu entkommen, und fördere zudem auch eine gesunde Zehenstellung. Menschen die viel barfuss laufen sieht man nur schon optisch die gesunden Füsse an.

Rückenprobleme

Während des Gehens verschrauben sich unsere Gelenke spiralförmig ineinander und gewährleisten dadurch zugleich Stabilität und Beweglichkeit. Es entsteht ein flüssiges, harmonisches Gangbild. Damit die Füsse den Körper dynamisch abstossen und abfedern können, muss der Fuss richtig belastet werden. Wie ein Fussabdruck im Sand, verteilt sich das Körpergewicht beim barfuss gehen hauptsächlich auf die drei Punkte: Vorderfuss, Mittelfuss und auch Ferse. Dazwischen befinden sich zwei Längsgewölbe und drei Quergewölbe. Diese sind für die einwandfreie Funktion des Fusses von großer Bedeutung, da sie wie Stoßdämpfer wirken. Die Fussmuskulatur verspannt diese Gewölbe, aktiviert aufsteigend die Bein- und Rumpfmuskulatur und sorgt dadurch für die richtige Druckverteilung in den Gelenken.

Als Folge von Schuhen und somit auch einer geringen Fussaktivität, schwächen sich die kleinen, wichtigen Fussmuskeln ab und die muskuläre Verbindung vom Fuss zum Rücken ist gestört.

Die daraus resultierende Fehlbelastung in den Gelenken kann zu frühzeitigem Verschleiss und zur Entstehung von Arthrose führen. Um diese Achsenabweichung auszugleichen reagiert der Körper mit Anpassungen im Bereich der Wirbelsäule. Es entsteht ein muskuläres Ungleichgewicht, Verspannungen und Rückenschmerzen resultieren.

Die Bandscheiben profitieren, weil beim Barfussgehen der natürliche Bewegungsablauf aktiviert wird. Man tritt behutsam auf, dämpft alle Stöße und gleicht alle Unebenheiten automatisch aus. Der Gang wird erschütterungsfrei und erspart den Bandscheiben die heftigen Stösse. Die Wirbelsäule gewinnt an Beweglichkeit, so dass die Bandscheiben ihre elastischen Eigenschaften nicht verlieren.

Unsere Art des Gehens hat einen extremen Einfluss auf die Gesundheit des Rückens.

Kniegelenks-Arthrose

Wenn sich das Fussgewölbe verformt, kommt es oft zu Fehlstellungen der Unterschenkel, die geben diese Fehlstellung weiter an Knie und Hüfte. Ein Grossteil der Kniegelenks-Arthrosen kann man vermeiden, wenn sich die Menschen mehr bewegen, vor allem barfuss. Bei bereits vorhandenen Knorpelschäden kann das Barfusslaufen sogar eine Rückbildung bewirken.

Fussreflexzonen sind nicht zu unterschätzen

Beim barfuss gehen erfährt der Fuss zudem eine Massage der Fussreflexzonen. Die zehntausende Nervenenden im Fuss liefern unserem Gehirn Informationen über die Bodenbeschaffenheit. Auch die Durchblutung wird beim Barfusslaufen «unten ohne» angeregt, was wiederum das Immunsystem stärkt. Und eine bessere Durchblutung schützt vor unseren «modernen» Zivilisationskrankheiten wie etwa Bluthochdruck. Bewegt sich der Mensch ohne Schuhe, wirkt sich die Stimulation an den Fußsohlen positiv auf die inneren Organe aus. Verantwortlich dafür sind die Reflexbögen und Verschaltungen im Körper. Dass auch die Abwehrkräfte und das Herz-Kreislauf-System davon profitieren, wusste schon der Gesundheitspfarrer Sebastian Kneipp.

Füsse sind auch Hände

Füsse erreichen nicht die feinmotorischen Fähigkeiten wie wir sie bei unseren Händen haben. Der Tastsinn respektive der Empfindungssinn kann als gleichgut bezeichnet werden. Wir erkennen mit den Fusssohlen sofort ob etwas nass, glitschig, heiss, hart oder weich ist. Den Füssen erschliesst sich ein vielseitiges Empfindungsspektrum. Dieses Spektrum erfährt man aber nur, wenn man keine Schuhe anhat.

Der richtige Gang ist wichtig

Natürlich gilt auch beim Barfusswandern «aller Anfang ist schwerer». Untrainierte Füsse müssen zuerst langsam ans Barfusslaufen gewöhnt werden. Anfänger sollten nur so viel barfuss laufen wie es der persönliche Wohlfühlfaktor erlaubt. Sobald man sich nicht mehr wohl fühlt, schmerzende oder müde Füsse bekommt, ist es Zeit Schuhe anzuziehen. Die Hornhaut und auch die vernachlässigten Muskeln müssen Zeit haben, sich aufzubauen. Ideal sind für Barfuss-Novizen Waldböden, Wiesen, Moose oder Sand. Aber auch auf Teer lassen sich kürzere Strecken als Anfänger durchaus bewältigen. Mit der Zeit kann die Distanz vergrössert und auch auf steinigeren Untergründen angewendet werden.

Fast automatisch setzen Barfussläufer den Fuss nicht mit der Verse auf, sondern verteilen das Gewicht gleichmässiger auf den Vor- und Mittelfuss. Das schont den ganzen Knochenbau und im Besonderen die Gelenke und den Rücken.

Kinder sollten unbedingt barfuss laufen

In den ersten Lebensjahren bestehen die Kinderfüsse noch grösstenteils aus weichen Knorpeln. Erst mit etwa 14 bis 18 Jahren sind die Knochen vollständig ausgebildet. Kein Wunder, dass schon zu enge Socken oder bei Babies zu kurze Stramplerfüsschen zu Verformungen und Fehlbildungen führen können. Wie bei Schuhe können auch Socken zu unangenehm riechenden Bakterienfallen werden. Wenn Füsse in Socken stecken, entwickeln sie auch dort Feuchtigkeit. Feuchte Füsse sind anfällig für Fusspilz. Bei der Geburt sind bereits alle Schweissdrüsen im Fuss angelegt. Ein Baby hat also genauso viele wie ein Erwachsener. Deshalb neigen auch schon die ganz Kleinen zu Schweissfüssen. Daher lassen Eltern auch bei Kleinkindern am Besten die Socken weg. Je öfter desto besser.

Erlebnisspfad für Barfüsser

Anfänger können sich auch erst einmal auf einem speziell eingerichteten Barfusspfad versuchen. Das Angebot solcher Pfade wächst von Jahr zu Jahr. An verschiedenen Posten wird den Füssen dabei ein sensorisches Spektakel geboten. Die Füsse gehen über Holzspäne, Tannzapfen, Bollersteine, Kies, Laub, weichen Waldboden, Moos und durch Schlamm und Wasser.

Auf solchen Barfusspfaden bewegt man sich grundsätzlich selbständig. In der Schweiz gibt es aber auch verschiedene Angebote für geführte Barfusswander- oder Schnuppertouren in alpinen Gebieten.

Barfuss-Alternative?

Wer Hemmungen hat, barfuss zu gehen – sei es wegen der (unbegründeten) Angst vor Verletzungen oder der (unbegründeten) Angst wegen den Blicken anderer Leute, die man unweigerlich auf sich zieht -, hat eine Alternative. Längst hat die Schuhindustrie den Barfuss-Trend erkannt und Produkte auf den Markt gebracht, die nur noch einen Hauch Sohle haben und das Erlebnis Barfusslaufen so weit wie eben möglich imitieren. Es ist aber nicht das Gleiche wie wenn man wirklich barfuss läuft. In den meisten Barfussschuhen welche oftmals aus irgendwelchen (modernen) Kunststoffen hergestellt sind, neigt man übrigens auch sehr schnell zum starken Schwitzen.

Wenn Barfussgehen aus irgendwelchen gründen nicht möglich ist und man keine Barfussschuhe kaufen möchte, kann man trotzdem gesund gehen. Hierbei helfen Schuhe mit beweglichen Sohlen und möglichst viel Freiraum für die Zehen (z.B. flache Sandalen, Mokassins, Espadrilles).

Barfuss joggen

Amerikanische Forscher haben herausgefunden, dass das Joggen in Joggingschuhen das Kniegelenkt um 34% und das Hüftgelenk sogar um 54% stärker belastet, als wenn man barfuss Joggen geht. Während beim Joggen in Sportschuhen die Belastung auf der Ferse liegt, werden beim Barfusslaufen der Vorder- und der Mittelfuss stärker beansprucht. Dadurch federt der Fuss den Aufprall besser ab und die empfindlichen Gelenke werden weniger beansprucht. Das gilt übrigens auch auf Asphalt. Die Sportschuh-Industrie welche die «dämpfenden und besonders schonenden» Wirkungen ihrer neusten Schuhmodelle anpreisen, sind mehr Schein als Sein.