Barfuss macht Spass.

Anna McNuff ist hart. Wirklich hart. Die 35-jährige Britin hatte sich zum Ziel gesetzt, die Distanz von 100 Marathons barfüssig zu laufen. Am Schluss lief sie «nur» das Äquivalent von 90 Marathons, aber auch das ist eine eindrückliche Leistung.

Grosse Ziele

Anna vermutete eine Woche vor ihrem Start auf den Shetlandinseln, dass sie 5 Monate unterwegs sein wird. Ihre Wege würden sie vorbei an zerklüfteten Küsten, kleinen Dörfern und über Ackerland führen. Vor dem Start fragte sich Anna oft, ob dass, was sie geplant hat, wirklich möglich wäre. Doch McNuff ist nicht umsonst die Tochter von zwei Olympioniken. Und darum formulierte sie sich selber eine Botschaft: «Ich gehe auf ein gewaltiges Abenteuer. Andere Frauen gehen ja auch auf grosse Abenteuer. Und wenn andere Frauen grosses leisten können, dann kann ich das auch». Doch Anna wollte noch mehr. Sie wollte über ihre Leistungsgrenze hinauswachsen. Da sie bereits eine erfahrene Marathonläuferin war (mit Laufschuhen), wollte sie ihrem Vorhaben eine zusätzliche Herausforderung obendrauf setzen. Die Strecke soll barfüssig absolviert werden.

Training

Annas Training dauerte 18 Monate. Obwohl McNuff körperlich fit war, musste sie dennoch ihre Füsse kräftiger und robuster machen.

Zuerst lief sie in minimalistischen Laufschuhen (jene Art mit dünnen, flexiblen Sohlen), bevor sie dann zu Socken wechselte. Der Sockenverschleiss war natürlich gross. Mit der Zeit absolvierte sie bereits längere Teilstrecken auf nackten Sohlen und begann die Laufleistung von Woche zu Woche zu steigern. Im April lief sie dann den gesamten Marathon von London barfuss. Ohne Socken und Schuhe.

In London wurde sie immer wieder auf ihre Barfüssigkeit angesprochen. Die Leute wunderten sich über die fehlenden Schuhe. Viele Menschen hatten den Eindruck, dass McNuffs Fusssohle steinhart sein müsste. Doch dem war nicht so. McNuffs Fusssohlen waren angenehm weich.

Die Veränderung

Annas Füsse veränderten sich aber nicht nur durch die widerstandsfähigeren Sohlen. Die Füsse wurden breiter. Die Zehenzwischenräume wurden grösser. Mit der Zeit bekam Anna durch die Veränderung ihrer Füsse auch eine bessere Balance und generell ein viel besseres Gefühl beim Laufen. Neben den Veränderungen der Füsse haben sich auch die Waden und die Schenkel zusammengezogen, weil alle Körperteile durch das barfüssige Laufen anders beansprucht wurden. McNuffs staunte, wie sich ihr Körper nur wegen des barfüssigen Laufens veränderte. «Unsere Körper sind unglaublich», schwärmte sie.

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Enough of this selfies malarkey, I’m all about the ‘footsies’ at the moment! 🦶🏻🇺🇸 I took my footsies out for a run around Miami Beach today 🏝 where the whiter-than-white sand mixed with the grime of the city pavements and a little splodge of red paint from today’s 🏳️‍🌈Pride parade got all up in my arch 🏳️‍🌈 • I know that lots of people aren’t so keen on their feet, which is a shame because I ruddy love mine! In fact, I think they’re up there in the top three fave parts of my bod 🤟🏻 • These feet carry me on adventures, they support me when I’m tired. They are getting increasingly strong-like-bull 🐃 (said in a deep Spanish accent) and they let me feel like a kid all over again whenever and wherever I go barefoot wandering. 🌳 🙌🏻🙋🏼‍♀️ • It’s a good job I like them, I suppose. We’re going on the quite journey together in the coming months and its always a good idea to get along with your travel companion. #barefootbritain 🇬🇧🏃🏼‍♀️🦶🏻 • @girlguiding #forthegirl @theaa_careers #ReadyForANYTHING 👊🏻

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Unterstützung

Menschen die solche Abenteuer bestreiten, werden fast immer auch noch von anderen, nahestehenden Menschen unterstützt, welche in Begleitfahrzeugen mit dabei sind. Mit den Fahrzeugen wird auch immer Gepäck und Ausrüstung transportiert. McNuff wollte das nicht. Sie wollte ganz alleine unterwegs sein und sich auf die Freundlichkeit der Menschen in ganz Britannien verlassen. Sie begann in sozialen Medien für ihre Sache zu werben. Schnell boten Menschen, Einzelpersonen und Familien Unterkünfte und Verpflegung an. Die Menschen boten ihr sogar an, die Tasche mit Zelt, Schlafsack und der Ersatzkleidung von Ort zu Ort zu transportieren, so dass Anna nur einen kleinen Rucksack mit dem Allernötigsten mit sich tragen musste.

Die erste Woche

Anna McNuff begann nach einigen Tagen zu zweifeln. Bereits nach einer Woche waren ihre Fusssohlen wundgelaufen. Doch die Menschen welche sie unterwegs traf, halfen und motivierten sie stetig. Ein paar Tage später blieb sie mit ihrem Fuss in einem Moorloch stecken. Nur mit grosser Anstrengung konnte sie sich befreien. Der nächste Gastgeber hatte vorausahnend zum Glück kühlende Eisbeutel vorbereitet.

Auf die Frage was das Schlimmste auf der Tour war, antwortete sie wie aus der Pistole geschossen: «Schafscheisse».

Das Resultat

Schlussendlich kamen 3785 Kilometer zusammen, welche sie in 168 Tagen barfüssig gelaufen ist. Ihr Weg führte sie durch 143 Dörfer und Städte. In dieser Zeit verbrauchte sie 495‘000 Kalorien. Auf dem ganzen Weg liefen über 1700 Menschen ebenfalls barfüssig kurze Teilstrecken mit ihr mit. Die Solidarität war gewaltig.

Diese wahre Geschichte zeigt einmal mehr, warum ein barfüssiger Lebensstiel in jedem Fall das Richtige ist. Je mehr, je besser.