Barfuss in Fribourg

Barfuss macht Spass.

Ich liebe Städtereisen. Vor allem die Kleinstädte machen mir sehr viel Spass. Vor kurzem besuchte ich Fribourg, Hauptstadt des gleichnamigen Kantons. Fribourg ist mit 40’000 Einwohnern die drittgrösste Stadt der französischsprachigen Schweiz. Fribourg liegt an der Kulturgrenze der französischen und deutschen Schweiz. Deswegen wird an der Universität auch zweisprachig unterrichtet. In Fribourg lohnt sich der Besuch der Altstadt, welche bis hinunter an das Ufer der Sarine reicht. Der grosse Teil der Altstadt liegt aber auf einem Hochplateau. Knapp dreiviertel der Einwohner spricht französisch, die restlichen Einwohner schweizerdeutsch. Fribourg tut sich allerdings schwer damit, die deutschsprachigen Einwohner als gleichwertig zu betrachten. Eine zweisprachige Stadt wie Biel/Bienne möchte Fribourg eigentlich nicht werden. Allerdings wurde der Bahnhof zwischenzeitlich mit Fribourg/Freiburg beschriftet.

Mir persönlich ist es egal. Ich gehe ja nicht nach Fribourg weil es dort zweisprachig ist, sondern weil ich die schöne Altstadt anschauen und die Böden fühlen möchte. Und etwas Französisch sollte man ja in jedem Fall beherrschen. Was mir gleich anfangs aufgefallen ist – in Fribourg werden wohl das Jahr hindurch nicht sehr viele barfüssige Menschen gesichtet. Man steht schon etwas mehr unter «Beobachtung». Aber ihr wisst ja, mir ist das eigentlich egal.

Im neueren Stadtteil, welcher nicht besonders hübsch ist, verkehren sehr viele junge Leute. Dort befindet sich auch die Universität. Ich habe es hinbekommen genau kurz vor Mittag dort aufzukreuzen, als gerade eine Masse an jungen Menschen aus den Schulgebäuden auf die Strasse drängte. Ich habe öfters gehört und gelesen, dass in Uni-Städten immer viele, barfüssige Studenten unterwegs wären. Hier in Fribourg sah ich bei sehr sommerlichen Temperaturen aber keine, als ich mit dem Pulk zusammen Richtung Stadtmitte marschiert bin. Auch sonst kreuzte mich heute keine andere, barfüssige Person.

Die Altstadt ist wunderschön. Leider wird sehr wenig aus der Schönheit gemacht. Es sind in grossen Teilen der Altstadt extrem viele Autos unterwegs. Ich finde das Altstädte den Fussgängern überlassen werden sollten. Doch von Fussgängerzonen hat man hier noch nicht viel gehört. Einzig die Rue de Lausanne bietet etwas Fussgängerzonen-Feeling mit einigen Strassenkaffees. Ansonsten wird durch die Altstadt gerollt und gestunken. Für Fotografen eine grosse Herausforderung ein Altstadtfoto schiessen zu können, auf dem es kein fahrendes oder parkierendes Auto hat.

Das Highlight war sicher die Besteigung des Glockenturms der St. Niklaus-Kathedrale. 365 Treppenstufen müssen erklommen werden, damit man eine herrliche Aussicht über die ganze Stadt und das Land weiter draussen geniessen darf. 4 Franken muss man investieren. Das mache ich natürlich sehr gerne, denn der Unterhalt eines fast 800-jährigen Gebäudes ist ja nicht gerade günstig. Und es muss alles getan werden, dass solche Gebäude erhalten und gepflegt werden können. Vier Franken finde ich jetzt auch nicht besonders viel für dieses Erlebnis. Aber Achtung: Gegenverkehr in der schmalen Wendeltreppe kann dazu führen, dass derjenige welcher runter will, wieder hoch zur nächsten Ausweichstelle steigen muss.

Was mir ebenfalls gefallen hat ist der Rundgang beim Berner-Tor sowie jener beim Gotteron-Tor. Spannend fand ich auch die Zähringerbrücke. Diese Brücke wurde 1924 gebaut. Sie besitzt eine Fahrbahn ganz oben und eine weiter unten. Die Fahrbahn ganz oben wurde vor einigen Jahren, nach der Inbetriebnahme der neuen Poyabrücke, für den Autoverkehr gesperrt. Damit wurde das stark belastete Altstadtquartier vom Verkehr entlastet. Vorher stand an gleicher Stelle eine Grand Pont, dazumal die längste Hängebrücke der Welt. Auch die kleine Schwester Pont de Berne aus dem Jahr 1653 ist ein Besuch wert. Sie ist die letzte gedeckte Holzbrücke der Stadt.

Ich war rund 7 Stunden unterwegs und habe noch lange nicht alles gesehen. Ich werde sicher im kommenden Jahr nochmals hierherkommen. Ich möchte die grossen Bereiche der Stadtmauern, die weiteren Stadttürme, das Gutenbergmuseum und auch das Marionettenmuseum noch besuchen. Und das Kunsthaus gäbe es auch noch, genauso das Espace Jean Thinguely, die Mottabahn, das Masschinenmuseum, der botanische Garten und vieles mehr.

Eines darf ich aber sagen… Fribourg ist sehr barfussfreundlich, auch wenn sich die Einwohner barfüssige Touristen eher nicht gewohnt sind…

 

Kusi

Barfuss sein ist für mich eine lieb gewonnene Freiheit. Schuhe gehören für mich aber auch zum Leben. Beruflich geht es nicht ohne. In meiner freien zeit bin ich aber meistens barfuss unterwegs. Und ja - auf dieser Homepage gibt es keine echten und unechten Barfussläufer. Mir ist wichtig das man es einfach tut so oft man kann. Wie man es macht, ist absolut nebensächlich. Ich wünsche Euch allen ganz viele Barfusszeiten. Und denkt daran - was andere dazu sagen interessiert Euch nicht. Ihr macht es für Euch. Und dann stimmt es.