Teilen
Barfuss macht gute Laune

Bei keinem Thema gehen die Meinungen und Ansichten so weit auseinander als beim barfüssigen Autofahren. Wer im Internet nachforscht, wird auf immer wiederkehrende Behauptungen stossen, welche schlichtweg falsch sind.

Gerade die Frage des barfüssigen Autofahrens zeigt in erschreckender Form auf, wie oft die Medien einander abschreiben. Anstatt selber nachzuforschen und auch etwas nachzudenken werden ohne mit der Wimper zu zucken Falschinformationen gestreut.

Also…darf man?

Die Gesetzeslage ist eindeutig. Man lese dazu Artikel 31, Absatz 1 der Strassenverkehrsordnung.

Art. 31

  1. Der Führer muss das Fahrzeug ständig so beherrschen, dass er seinen Vorsichtspflichten nachkommen kann.
  2. Wer wegen Alkohol-, Betäubungsmittel- oder Arzneimitteleinfluss oder aus anderen Gründen nicht über die erforderliche körperliche und geistige Leistungsfähigkeit verfügt, gilt während dieser Zeit als fahrunfähig und darf kein Fahrzeug führen.
  3. Der Führer hat dafür zu sorgen, dass er weder durch die Ladung noch auf andere Weise behindert wird. Mitfahrende dürfen ihn nicht behindern oder stören.
Und was interpretieren wir aus diesen schwameligen Worten?

Man darf ohne Schuhe fahren oder auch mit jedem Schuhwerk, auf welches man gerade Lust hat. Man darf also auch mit Skischuhen fahren.

Polizeikontrolle

Wenn man in eine Polizeikontrolle kommt, kann man daher wegen barfüssigem Autofahrens nicht gebüsst werden. Denn nicht der Polizist entscheidet wie die persönliche Sorgfaltspflicht des Fahrers auszusehen hat, sondern der Fahrer selber. Somit ist grundsätzlich auch das Fahren mit FlipFlops, hohen Absätzen oder mit Skischuhen erlaubt. Möchte einem ein eifriger Polizist dennoch eine Busse geben, einfach auf Artikel 31 verweisen. Sollte der Polizist aber Belehrungsresistent sein oder einfach Artikel 31 nicht kennen lohnt es sich gegen die Busse Beschwerde einzureichen.

Was bedeutet genau «persönliche Sorgfaltspflicht»?

Die persönliche Sorgfaltspflicht hat viel mit gesundem Menschenverstand zu tun. Mit FlipFlops, Schuhen mit hohen Absätzen oder auch mit Skischuhen zu fahren, ist definitiv gefährlich.

FlipFlops sind ein loses Schuhwerk, welches nicht wirklich am Fuss kontrolliert werden kann. Der Flip-Flop rutschen mal links oder rechts weg und man kann sich auch verheddern, so dass man im dümmsten Fall einfach zu wenig Reaktionszeit zur Verfügung hat. Ähnliches gilt bei Schuhen mit hohen Absätzen. Hier fehlt die Bewegungsfähigkeit der Füsse. Das schnelle Umsteigen vom einen auf das andere Pedal kann zum Problem werden. Der Absatz bleibt vielleicht auch noch am Teppichboden hängen.

Zu Skischuhen schreibe ich mal nichts. Das sollte allen klar sein. Vor zwei Jahren übrigens hat eine Fahrerin in der Ostschweiz einen Unfall gebaut, weil sie mit den Riemen ihrer Sandalen am Gaspedal hängenblieb und nicht mehr bremsen konnte. Deswegen wurde sie auch wegen Vernachlässigung der Sorgfaltspflicht verurteilt.

Barfuss hat man keine Risiken

Barfuss Autofahren birgt keine solche Risiken. Da man nichts an den Füssen hat ist man beweglich, kann nirgends hängen bleiben und man hat ein ausgezeichnetes Gespür für den Druck auf die Pedale. Zudem ist es extrem bequem. Ich behaupte sogar das geübte Barfussfahrer besser, feiner und energiesparender fahren als beschuhte Fahrer.

Und Wanderschuhe?

Da ich in diesem Blog auch viel zum Thema Wandern schreibe noch ein Wort zu Wanderschuhen. Es gibt ja gerüchteweise Menschen welche zum Wandern Wanderschuhe anziehen. Wanderschuhe sind in meinen Augen ebenfalls nicht geeignet zum Autofahren. Sie sind meistens knöchelhoch und wenig beweglich. Also lasst bitte die Wanderschuhe im Kofferraum verschwinden und fahrt gefälligst barfuss nach Hause.

Was ich immer dabei habe

Schuhe! Ich fahre barfuss Auto, habe aber immer Schuhe auf dem Boden des Beifahrersitzes liegen. Denn sollte es wirklich mal zu einer Kollision kommen kann es Vorteilhaft sein, beim Aussteigen nicht über Glasscherben oder sonstige Trümmerteile gehen zu müssen.

Beispielbild
Nachricht auf einem bekannten Vergleichsportal

Ich komme zurück auf das Abschreiben von Nachrichten und das produzieren von Falschmeldungen. Auf einem bekannten Vergleichsportal findet man folgenden Text:

Geschieht ein Verkehrsunfall und ist ungeeignetes oder fehlendes Schuhwerk die Ursache, muss der Autofahrer mit einer Strafanzeige und einem möglichen Ausweisentzug rechnen. Und mit Badeschlappen oder barfuss rutscht der Fuss leicht vom Pedal, ausserdem ist kraftvolles Bremsen beeinträchtigt.

Ist das wirklich so?

Auslöser eines Verkehrsunfalles könnte tatsächlich falsches Schuhwerk sein. Das Beispiel der mit Sandalen fahrenden Frau aus der Ostschweiz zeigt das klar auf. Doch wie beweist man so etwas? Wenn jemand einen Auffahrunfall macht, spielt es keine Rolle, ob er mit beschuhten Füssen oder barfuss zu nahe aufgefahren ist. Er ist einfach zu nahe aufgefahren. Oder wenn jemand einem Fahrradfahrer den Vortritt nimmt… auch feste Schuhe an den Füssen hätten nichts genutzt. Gerade beim barfüssigen Autofahren ist es besonders schwer, einen Unfall wegen fehlendem Schuhwerks der Barfüssigkeit zuzuordnen. Welche Situationen soll es somit geben, in der das barfüssige Autofahren schuld sein soll? Ich kenne keine.

Und das Abrutschen von den Pedalen?

Ebenso steht geschrieben, dass man Barfuss vom Pedal abrutschen kann. Ich fahre seit vielen Jahren barfuss Auto. Und ich bin noch nie vom Pedal abgerutscht. Mir ist  schleierhaft wie das gehen sollte. Solche Dinge werden von Leuten geschrieben, die selber noch nie barfuss mit dem Auto gefahren sind.

Kraftvolles Bremsen

Nun noch zum Punkt des kraftvollen Bremsens. Heutzutage gibt es in fast jedem Auto Bremskraftverstärker (neuere Autos haben zusätzlich Bremsassistenten). Man muss die Bremse nicht mehr wie ein Monster durch das Bodenblech drücken, wenn man eine Vollbremsung machen muss. Ich habe dies übrigens auf einer Teststrasse getestet. Ich konnte barfuss mindestens genauso gut bremsen wie mit Schuhen. Barfuss war meine Reaktionszeit sogar noch etwas besser, da ich schneller auf die Bremse wechseln konnte.

Zahlt Versicherung?

Wenn man barfüssig autofahrend einen Unfall baut und die Barfüssigkeit deswegen zum Thema wird, muss man keine Angst haben. Die Versicherung wird die Kosten dennoch übernehmen müssen. Erstens steht in der Verkehrsordnung nicht, dass man nicht barfüssig Autofahren darf. Zweitens ist auch nicht geregelt, was eigentlich das Einhalten der Sorgfaltspflicht bedeutet. Und drittens muss zuerst noch bewiesen werden, dass man den Unfall wirklich wegen Barfüssigkeit verursacht hat. Und ob dies grobfahrlässig ist, darf generell angezweifelt werden.

Barfuss Autofahren müsste Pflicht für alle sein

Wenn man all diese Fakten anschaut muss man sich die Frage stellen ob es nicht besser wäre, wenn das barfüssige Autofahren zur Pflicht würde. Viele Schuhe haben einen Schuhbändel. Die Chance dass sich der Schuhbändel verheddert oder man versehentlich darauf steht und dann nicht mehr zum Bremspedal rüber kommt ist deutlich grösser, als barfuss vom Pedal abzurutschen…