Barfuss auf dem Lukmanier

Barfuss macht Spass.
Zum Lukmanier

Da ich viel Fotografieren und Filmen wollte, beschloss ich mit dem Auto Richtung Lukmanier zu fahren. Mit im Gepäck hatte ich ein Campingzelt, zwei Luftmatratzen, einen Schlafsack, Gaskocher und Kochgeschirr sowie einiges an Lebensmitteln. Mein Ziel war der Campingplatz Pro Natura Lucomagno, welcher rund 1 Kilometer nach der Passhöhe auf Tessiner Boden liegt. Dieser Campingplatz ist der einzige, welcher von Pro Natura geführt wird. Es ist ein sehr kleiner Platz. Ende September hatte es aber nicht mehr viele Gäste. Neben mir war noch ein älterer Herr auf dem Platz, welcher wie ich einige Tage dort verbracht hat. Der Mann war sicher gegen 70 und hat in seinem Auto geschlafen.

Camping

Ich habe mich vorangemeldet und mir meinen Platz ausgesucht. Der Befand sich gleich neben dem wilden Brenno, einem schönen Gebirgsbach. Was auf den ersten Blick sehr romantisch wirkte, war in der Nacht allerdings gewöhnungsbedürftig. Der Bach war extrem laut und anfangs hatte ich mühe, einzuschlafen. Neben dem Campingplatz weideten auch Kühe. Wie ich des Nachts lernen musste, schlafen Kühe nicht. Es bimmelte mit den Kuhglocken andauernd. Wie bereits angetönt, war meine erste Nacht nicht mit besonders viel Schlaf gesegnet. 

Check-In

Doch nochmals zurück zur Ankunft. Das Check-In dauerte ein paar Minuten. Dann baute ich mein Iglu-Zelt auf. Ein tolles Zelt. In 5 Minuten stand es da. Noch kurz ein paar Heringe eindrücken und fertig. Danach richtete ich den Schlafplatz ein. Zwischenzeitlich war es Mittag geworden, so dass ich mich für ein Mittagessen im Restaurant des Campingplatzes. Es gab gute Pasta. Falls jemand kein Zelt hat, stehen auf dem Camping auch noch ein paar Zimmer, Jurten sowie kleine Holzhäuser zur Verfügung. Da ich aber öfters Camping mache, hatte ich alles erforderliche Material selber mit dabei.

Erste Nacht

Nach dem Essen fuhr ich mit dem Auto nochmals zurück zum Oberalppass. Dort wurden gerade mit Hubschraubern Masten für neue Sessellifte transportiert. Ein eindrückliches Schauspiel. Ich machte viele Fotos. Gegen Abend ging es zurück zum Campingplatz. Die Tagestemperaturen lagen übrigens bei 27 Grad. Es wurde schnell dunkel. Und vor allem auch sehr schnell kalt. Ich kochte mir auf meinem Gasgrill ein kleines Abendessen und trank ein Bier dazu, welches ich im Brenno gekühlt hatte. Nach dem Essen schlüpfte ich in den Schlafsack. Es war gegen 20 Uhr, aber bereits nur noch ein paar Grad über Null. Da sitzt man nicht noch lange draussen rum. Ich genoss meinen warmen Schlafsack und hörte dem Bach und den Kühen zu. Irgendwann konnte ich dann doch noch einschlafen. Einen Wecker stellte ich nicht. Ich hatte schliesslich Ferien.

Gegen 8 Uhr erwachte ich. Raus aus dem Schlafsack, Morgenwäsche und danach auf dem Gaskocher Kaffee kochen. Danach bereitete ich mir ein paar Brote vor, packte den Rucksack und machte mich auf meine erste Wanderung auf.

Föhrenwald

Die Wanderung führte mich durch den herrlichen Föhrenwald die Seloa Secca hinauf. Ein perfekter Barfussweg. Besser kann es fast nicht mehr sein. Der Weg führte mich zur Campo Solaris, dann weiter zur Alpe Gana. Von dort ging es hinter zum Brenno. Dort kreuzte ich die Passstrasse des Lukmaniers und wanderte weiter via Samprou und Prozzetta zurück nach Acquacalda, wo der Campingplatz liegt. Die Wanderung war vielleicht drei Stunden lang. Mit Filmen und Fotografieren hatte ich fast 6 Stunden. Abends genoss ich ein Abendessen im Camping-Restaurant.

Die nächste Nacht schlief ich besser. Es war aber noch kälter. Ich vermute unterhalb des Gefrierpunktes. Zum Glück hatte ich meinen Thermo-Schlafsack dabei. Ich hatte warm.

2463 Meter

Am nächsten Tag wanderte ich zur Alp Piano di Leigra. Dort hatte es fast nur Wiesenwege. Erst beim weiteren Aufstieg hinauf zum Passo die Gana Nedra auf 2463 Meter wurde es sehr steinig. Ich war barfuss, aber eher langsam unterwegs. Da ich zu viel zeit benötigte, liess ich die Filmaufnahmen sausen. Ich erreichte den Campingplatz erst gegen 18 Uhr. Obschon ich todmüde war, kochte ich mir ein Risotto mit frischem Gemüse, welches ich ebenfalls mitgenommen habe. Es war sehr lecker. Zur Belohnung für die barfüssige Wanderleistung gab es ein Glas Merlot. Vielleicht waren es auch zwei oder drei. Auf alle Fälle habe ich wie ein Murmeli geschlafen.

Passwanderung

Am nächsten Morgen genoss ich ein Frühstück im Restaurant. Es war ausgezeichnet, aber eher teuer. 16 Franken hat es gekostet. Die nächste Wanderung führte mich über den Passo Beretta. hinauf auf 2272 Meter. Von dort wanderte ich einen steilen Pfad hinunter nach Gorda. Danach ging es das Valle Santa Maria hinauf zurück zum Campingplatz. Auch diese Wanderung war anstrengend. Meine baren Füsse lechzten nach einer Pause. Auch heute gönnte ich mir ein Abendessen im Restaurant des Campingplatzes.

Den nächsten Tag verbrachte ich mit Fotografieren entlang des Brenno. Der letzte Wandertag führte mich hinauf zur Lukmanier Passhöhe. Dort ging ich entlang des Lai da Sontga-Maria das Val Termine hinauf und von dort bis zum Lago di Ritóm welch ich umrundete und danach via Alpe Carorescio zurück zum Campingplatz führt.

Als Abendessen kochte ich mir ein Chili, welches ebenfalls gut gelang. Am nächsten Morgen baute ich das Zelt ab und fuhr relativ früh los. Beim Oberalpass parkierte ich mein Auto und Genoss meine Abschlusswanderung auf den Calmut.

Eine tolle Wanderwoche ging mit der Rückfahrt zu ende. Eine Woche nur barfuss. Auf jeder Wanderung, im Restaurant oder auch beim Einkaufen in Disentis.

Der Lukmanier ist eine wunderbare Gegend. Ich denke dass ich wieder einmal dorthin wandern gehe.