Barfuss macht Spass.

Barefoot v Pragu

Das Leben war wieder mal gut zu mir. Ich durfte mit einigen Freunden 5 Tage lang die Stadt Prag bereisen. Doch ich muss zu meiner Schande gleich an dieser Stelle mitteilen, dass ich ganz vergessen habe, ein Foto von meinem barfüssigen Aufenthalt zu machen. Doch Barefoot v Pragu klappt perfekt.

Wir waren täglich zwischen 10 und 20 Kilometern unterwegs. Zu Fuss. Ab und zu auch mit dem Tram oder der Metro. Geschlafen habe ich oftmals nur 5 oder 6 Stunden. Diese Stadt hat mich absolut in den Bann gezogen. In diesen 5 Tagen hatte ich meine mitgeführten Schuhe genau 0 Minuten an den Füssen. Meinen Freunden wars egal. Oftmals sind sie erstaunt, mit welcher Leichtigkeit ich barfuss unterwegs bin.

Guter öffentlicher Verkehr in Prag, Barefoot v Pragu

Anreise

In Prag wurden wir von einem Fahrer des Prague Airport Shuttles abgeholt. Wenn man ein solches Fahrzeug bucht, spart man gegenüber normalen Taxis bis zu 50%. Dem Fahrer sind meine nicht vorhandenen Schuhe sogleich aufgefallen. Und anders als ich es mir gewohnt war, sprach er mich im Taxi sitzend sogleich darauf an. Es entwickelte sich ein interessantes Gespräch. Die Taxifahrt war kurzweilig.

Das Hotel

Wir hatten uns für das Hotel Maximilian entschieden. Ein angenehmes 4-Sterne-Hotel, welches in der Prager Altstadt liegt. Im Hotel gab es keinerlei Probleme wegen des Barfusslaufens. Ich habe mich vor der Buchung beim Hotel erkundet und erst dann gebucht. Und während des Aufenthaltes konnte ich mich barfuss frei im Hotel bewegen, ohne auch nur einmal angesprochen zu werden. Auch das Frühstück konnte ich im Speisesaal barfuss einnehmen.

Altstadtgassen in Prag, Barefoot v Pragu

Am ersten Tag erkundeten wir die Altstadt Prags, die Karlsbrücke und sonstige Touristenattraktionen. Da Prag ein Jubiläum feiert, sind aber viele der Attraktionen in Renovation, so dass man sie teilweise nicht ganz anschauen kann, weil sie von Baugerüsten verdeckt sind.

Karls-Brücke, Barefoot v Pragu

Prager Burg

Am zweiten Tag hatten wir für uns einen Führer gebucht, welcher uns durch die Prager Burg mit ihren wunderschönen Gebäuden führte. Der Touristenführer war ein Stimmungsmacher erster Güte. Er brachte uns ganz viele Dinge über die Burg und das Leben der Prager bei. Meine Barfüssigkeit bewunderte er. Er meinte aber, dass man mich ohne Schuhe vermutlich nicht in den Veitsdom lassen würde. Natürlich hatte ich Notfallschuhe mit dabei, falls es wirklich ein Problem geben würde.

Prager Burg, Barefoot v Pragu

Damit man aber überhaupt in das riesige Burgareal reinkommt, muss man beim Sicherheits-Check durch Metalldetektoren wie man sie beim Flughafen kennt. Auch der Rucksack wird durchsucht. Dies wird seit 2016 gemacht da man Angst vor Anschlägen hat. Die Durchsuchung des Rucksacks war aber sehr rudimentär. Da was hinein zu schmuggeln wäre keine grosse Kunst gewesen. Meine Barfüssigkeit wurde nicht beanstandet. Beim Veitsdom hatte unser Führer wiederholt etwas Bedenken geäussert. Meine nackten Füsse wurden bei der Eingangskontrolle aber nicht beanstandet. Die Baseball-Kappe musste ich aber vom Kopf nehmen. Am besten haben mir die wunderbaren Domfenster gefallen. Bunt und reich verziert. Wunderschön. Und der kühle Marmorboden war bei 30 Grad Lufttemperatur Genuss pur! Nach der Prager Burg führte er uns auch noch durch die Kleinseite, ein ebenfalls historischer Stadtteil.

3 Stunden später war unsere Führung zu Ende und ich 1000 Kronen ärmer. Aber es hat richtig Spass gemacht mit diesem Touristenführer.

Letná-Park

Am nächsten Tag erkundeten wir den Letná-Park, welcher auf einer Anhöhe über Prag liegt. Ein wunderschöner Park zum Chillen. Man findet hier das Metronom auf jenem Sockel, auf dem das 1962 gesprengte Stalin-Denkmal stand. Nach dem Ende des Umsturzes der damaligen Tschechoslowakei wurde dann das Metronom aufgebaut. Das Metronom symbolisiert den Lauf der Zeit und soll eine Warnung vor der ehemaligen, kommunistischen Zeit sein. Gleich hinter dem Metronom haben sich die Skater Prags «eingemietet» und demonstrieren dort ihre gelernten Tricks.

Man kann vom Letná-Park über eine Fussgängerbrücke direkt zum Areal der Prager Burg hinüber wechseln. Die Aussicht auf die Prager Altstadt ist vom Letná-Park aus sehr schön. Die Stimmung in diesem Park ist extrem locker, da er mehrheitlich nur von Einheimischen besucht wird.

Letná-Park, Barefoot v Pragu

Abseits der Touristenströme

In Prag hat es extrem viele Touristen. Vor allem in der Altstadt und auf der Karls-Brücke. Der Touristenführer von der Prager Burg empfahl uns deswegen Vysehrad zu besuchen. Vysehrad ist eine kleine Burganlage ausserhalb der Altstadt. Und tatsächlich – dort hatte es deutlich weniger Touristen. Ein sehr langer, begehbarer Burgwall führt um die Anlage herum. Vom Burgwall herab hat man eine noch bessere Aussicht als vom Letná-Park herunter. Etwas unterhalb des Burgwalls empfehle ich das Restaurant U Kroka. Ein einfaches, günstiges Restaurant, welches ausgezeichnete Böhmische Speisen anbietet. Wenn man Glück hat findet man dort spontan noch ein Plätzchen. Wir mussten um 13:30 Uhr 10 Minuten auf einen Tisch warten.

Alternatives Festival, Barefoot v Pragu

Tram und Bus

Der öffentliche Verkehr ist sehr gut. Das Tram- und Busnetz ist perfekt ausgebaut. Man muss kaum 10 Minuten bis zum nächsten Tram warten. Auch die Metro verrichtet einen guten Dienst. Man kann an jedem Kiosk Fahrkarten lösen. Eine Tagesfahrkarte kostet 110 Kronen (knapp 5 Franken). Rentner über 70 Jahre fahren kostenlos. Kostenloser Tipp, welchen ich in jeder Stadt mit Trams empfehle: Einfach einsteigen und losfahren. Eine bessere und günstigere Stadtrundfahrt findet man kaum. Und wenn man etwas sieht was man anschauen möchte, kann man aussteigen und danach mit einem der nächsten Trams wieder weiterfahren.

Sauberkeit

Die Strassen Prags sind extrem sauber. Man sieht kaum mal ein Papier rumliegen, geschweige denn Fastfood-Verpackungen. Die Schweizer Strassen sind im Vergleich dazu eher schmutzig. Das überrascht etwas, da es in Prag nicht eine solche hohe Abfallkübeldichte hat wie in Schweizer Städten. Die Pragerinnen und Prager scheinen ihren Abfall mitzunehmen und ordentlich zu entsorgen. Hut ab!

saubere Strassen in Prag, Barefoot v Pragu

Hundekacke

Was die Prager aber nicht haben, ist das Robby-Dog-System. Es hat zwar nicht sehr viele Hunde, aber die Hinterlassenschaften bleiben meistens auf dem Trottoir liegen. Auch kleine Glassplitter sieht man etwas häufiger als in der Schweiz. Die liegen aber miestens in den Ritzen des Kopfsteinpflasters und machen keine Probleme. Was mich am meisten gestört hat sind die vielen Autos. Es hat kaum eine Strasse, in welcher nicht am Strassenrand reihenweise Autos parkiert waren. Die Strassen sind durch den motorisierten Verkehr auch sehr laut, stinkig und überfüllt. In Prag hat es leider wie bei uns auch sehr viele Autobesitzer, welche ihre meistens männlichen Minderwertigkeitskomplexe mit röhrend Auspuffen zu kaschieren versuchen.

Barfussstadt

Als Barfüsser kommt man in Prag überall problemlos durch. Es hat sehr viel Kopfsteinpflaster, welches mit der Zeit ermüdend wirkt. Den Schuhträgern ging es aber nicht anders. Als Barfussläufer ist man genau wie in der Schweiz die Ausnahme. Wir waren noch auf einem alternativen Festival. Dort habe ich bei heissen Temperaturen einige Barfüsser gesehen. Ansonsten sah ich in den 5 Tagen nur noch einen weiteren Barfüsser. Und das war… man grinse jetzt…ein Tourist aus der Schweiz.

Konzert, Barefoot v Pragu

Restaurants

Auch die Restaurants waren absolut kein Problem. Ich wurde nirgends abgewiesen. Das ist aber auch kein Wunder. Die Restaurantdichte ist enorm hoch. Der Konkurrenzkampf daher auch sehr gross. Und wir gingen mehrheitlich in Restaurants welche nicht Zentrumsnahe lagen. Dort ist man sowieso über jeden gut bezahlenden Gast froh.

Prag sehen und sterben reicht nicht

Prag ist in jedem Fall eine Reise wert. Für mich ist Prag eine der schönsten Städte, welche ich besuchen konnte. Es würde mich nicht wundern, wenn ich dort nochmals hinfahren werde. Obschon wir 5 Tage dort waren und keine Minute vertrödelt haben – wir konnte so vieles nicht anschauen, weil die Zeit gefehlt hat. Du willst 2 Wochen nach Prag? Kein Problem. Es wird nicht langweilig werden.