Abfall sammeln – schmutzige Schweiz

Barfuss macht Spass.

Clean-Up-Day

Ich war der Zeit wohl schon immer etwas voraus. Während aktuell über die Klimaerwärmung diskutiert wird und man die Menschen bittet, ihr Verhalten anzupassen damit sie weniger CO2 produzieren, habe ich mir bereits vor 10 Jahren ein Flugverbot auferlegt. Ich halte mich daran und habe auch nicht den Eindruck, deswegen einen Nachteil zu haben oder etwas in meinem Leben zu verpassen. Im Gegenteil. Für mich war es ein Gewinn.

Seit zwei oder drei Jahren wird auch in der Schweiz der Clean-Up-Day gelebt. An diesem Tag gehen Leute zusammen Abfall einsammeln. Das Einsammeln von Abfall mache ich bereits, seit ich denken kann. Mich hat es schon immer gestört, in der Natur Abfall anzutreffen. Während die meisten Leute daran vorbeigehen, habe ich mich nie gescheut, mich zu bücken und den Abfall aufzunehmen und korrekt zu entsorgen. Darum habe ich auch immer einen Abfallsack mit dabei. Zum Abfall sammeln brauche ich also keinen Clean-Up-Day. Für mich ist das Aufheben von Abfall einfach nur logisch. Mister Spock hätte eine wahre Freude an mir. An dieser Stelle ein Dankeschön auch an meine Eltern, welche mich das gelehrt haben.

Ich brauche keinen Clean-Up-Day

Seit vielen Jahren bin ich bewusst in der Funktion als Abfallsammler unterwegs. Im Schnitt bin ich zweimal im Monat unterwegs und durchstreife Wälder, Flussufer, Grünflächen und Spielplätze. Mit dabei habe ich immer 3 Abfallsäcke. Einen Sack verwende ich für PET, Alu und Glas, welches ich dann bei der entsprechenden Sammelstelle entsorgen gehe. Den zweiten Sack verwende ich für den Rest (Plastikzeug, Papier, Zigarettenstummel und ähnliches). Diesen Abfallsack gebe ich beim örtlichen Baudepartement ab. Ich habe mit denen einen Deal gemacht, damit sie den gesammelten Abfall kostenfrei entgegennehmen. Privatmüll wäre ja sonst mit gebührenpflichtigen Abfallsäcken abzugeben.

Der dritte Abfallsack ist dann als Reserve gedacht, wenn ich zu viel Müll finde. Da ich ein kleines Ruderboot besitze, bin ich auch öfters auf unserem Fluss unterwegs. Dort reinige ich die Schilf-Gürtel und fische sehr viel Plastik, PET und Alu-Dosen raus. Wenn ich sehe wie die Wasservögel jeweils zwischen dem Müll ihre Eier ausbrüten müssen, macht es mich immer sehr nachdenklich. Die Vögel können sich nicht wehren. Sie können auch nicht erkennen, ob sie nun ein Schilfrohr oder einen Plastik-Trinkhalm in ihr Nest verbauen. Die Tiere haben wahrlich Besseres verdient.

Ich habe im Fluss derart viele Tennisbälle gefunden, dass ich wohl Roger Federer und all die anderen Tennis-Millionäre mit Bällen versorgen könnte.

Tropfen auf dem heissen Stein

Ich weis natürlich, dass mein Handeln ein Tropfen auf den heissen Stein ist. Bin ich nicht auf dem Fluss unterwegs, schwimmen tausende PET-Flaschen, Plastiksäcke, altes Spielzeug oder Alu-Dosen den Fluss hinunter. Und dann wundere ich mich immer, wenn es heisst, dass die Schweiz kein Plastik-Problem habe und nicht für den Plastikmüll in den Weltmeeren verantwortlich sei. Diese Leute denken wohl nicht daran, dass das Wasser unserer Flüsse mehrheitlich in die Meere fliessen.

Unterhalb von Autobahnbrücken und entlang von Strassen sammle ich immer besonders viel Müll ein. Fenster auf, Alu-Dose raus. Problem erledigt. Doch die Kuh auf der Weide, welche sich beim Fressen von Gras am Alu verletzt oder Plastik im Magen hat und deswegen notgeschlachtet werden muss, kann sich nicht wehren. Gegen Dummheit ist leider kein Kraut gewachsen. Es sind zu viele Spatzenhirne unterwegs, welche ihren Müll einfach aus dem fahrenden Auto werfe.

Was man so findet

Ich habe in meiner Karriere schon sehr viele spezielle Dinge gefunden. Einen 20 Meter langen Gartenschlauch, Autoreifen, Fahrradreifen, Bau-Abschrankungen, Einkaufswagen, Fahrräder, Batterien, Fahrradhelme, Elektroschrott, Spritzen, Altölgebinde, ungeöffnete Bierdosen (Danke!), ein kaputtes Schlauchboot, Auto-Dachständer, einen alten Briefkasten, Metallstangen, Pornoheftchen, hunderte Nastücher, zwei Unterhosen, eine Jeans, mehrere T-Shirts, Schuhe, viel Fischereizeugs (abgerissene Zapfen, und Hacken). Einmal habe ich einen Schwan eingefangen. Der hatte einen Hacken in seinem Hals stecken und Angelschnur war um seinen Hals gewickelt. Die Notoperation war nicht sehr einfach. Der Schwan war total verängstigt und schwach. Ich hoffe das er überlebt hat.

Dann finde ich auch leere und oftmals voll Hundekotbeutel. Welche Idioten sammeln den Kot ihrer Hunde zusammen um dann den vollen Beutel wegzuwerfen?

Mach mit!

Wenn Du also auch in der Natur unterwegs bist und Abfall siehst, lasse ihn bitte nicht liegen, sondern nimm den Abfall mit. Stecke Dir immer einen kleinen Abfallsack in die Hosentasche. Dann bist Du immer bestens gerüstet.

Das Sammeln von Abfall entwickelt bei mir immer eine angenehme und zufriedene Stimmung. Ich weis das ich etwas Gutes mache. Ich bekomme zwar selten Lob oder sonstige Anerkennung. Die meisten Menschen getrauen sich nicht, Danke zu sagen. Mein Handeln ist aber auch nicht darauf ausgerichtet. Denn die meisten Menschen sind für mich mehr Übel als Segen. Ich mache es für die Natur und auch etwas für mich. Abfall sammeln ist ähnlich wie barfuss gehen. Es macht Spass und steigert das persönliche Wohlbefinden.

Im Video seht ihr, was ich in einer Stunde zusammengesucht habe. Den Abfall habe ich entlang unseres Flusses gefunden. Wenn man bedenkt das ein Monat zuvor ein gross angelegter Clean-Up-Day entlang des Flusses stattfand… auf dem Nachhauseweg habe ich noch weiteren Müll gesammelt.

Ich habe am Ende 12 Alu-Dosen und 16 PET-Flaschen gezählt. Dazu kam ein voller 35-Liter Abfallsack.