Barfuss macht Spass.

Feinstaub ist etwas, das man nicht direkt sieht, aber dennoch vorhanden ist. Folgt man in der Stadt einem Barfussgeher, erkennt man an seinen dunkel gefärbten Fusssohlen den Strassenstaub recht gut. Ist das Barfussgehen deswegen ungesund?

Atemwege

Überall in der Luft schwirren ultrafeine Staubteilchen herum, federleicht und winzig klein. Milliarden Partikel in jedem Kubikmeter Luft. Dieser Feinstaub ist massgeblich an der stetigen Zunahme von Atemwegserkrankungen beteiligt. Wegen der Feinstaubbelastung verkürzt sich die durchschnittliche Lebenserwartung in der Schweiz schon heute um etwa ein Jahr.

Feinstaub ist ein Produkt der Industriegesellschaft. Diesel- und Benzinmotoren erzeugen durch unvollständige Verbrennung einen grossen Teil der Partikel.

Aber auch der Abrieb von Autoreifen, Bremsen und Strassenbelag sowie Industrieabgase und der Luftverkehr tragen ihren Anteil zur bedenklichen Konzentration ultrafeiner Stäube in der Atemluft bei. Feinstaub kann ganz unterschiedlichen Ursprungs sein. Was ihn charakterisiert, ist dass die Partikel nicht grösser als zehn Mikrometer sind, also gerade mal ein Zehntel der Dicke eines menschlichen Haares. Die für die Lunge gefährlichsten Stäube sind sogar weniger als 2,5 Mikrometer gross.

Reinigungsfunktion der Lunge wird ausgehebelt

Feinstaubpartikel sind so klein, dass sie ungehindert bis in die feinsten Verästelungen der Lunge vordringen können – sie gehen dem Reinigungssystem der Lunge einfach durch die Maschen.

Grössere Partikel werden schon in der Nase oder in den Bronchien durch feine Härchen und klebrigen Schleim aus der Atemluft herausgefiltert. Feinstaub jedoch dringt bis tief in die Lungenbläschen vor und löst dort als Fremdkörper Entzündungen aus. Feinstaub kann die feine Haut der Lungenbläschen sogar durchdringen, wird vom Blut aufgenommen und in andere Organe hineingespült.

Grenzwerte

Um die Feinstaubkonzentration in der Luft zum Schutz der Gesundheit einzudämmen, gelten in der Schweiz seit 2018 strengere Grenzwerte. Am 11. April 2018 hat der Bundesrat Änderungen an der Luftreinhalte-Verordnung genehmigt, namentlich die Festlegung eines Immissionsgrenzwertes für Feinstaub PM2.5. Der Grenzwert von 10ug/m3, für das Jahresmittel entspricht den Empfehlungen der  Weltgesundheitsorganisation und ergänzt die bestehenden Grenzwerte für PM10. Die Belastung der Luft mit diesen winzigen Staubteilchen ist nach wie vor eine der grössten Herausforderungen für die Schweizer Luftreinhalte-Politik.

Mit Grenzwerten beruhigen

Doch eines muss man sich im klaren sein. Grenzwerte haben nur eine geringe, wissenschaftliche Aussage. Grenzwerte sind eine reine Schätzung und dienen eher der Beruhigung der Bevölkerung. Wenn Grenzwerte eingehalten werden ist ja alles in Ordnung… aber das Einhalten von Grenzwerten bedeutet nicht, dass es keine gesundheitsschädlichen Auswirkungen gibt.

Bund prüft täglich

Die aktuelle Feinstaubbelastung in der Schweiz kann beim Bundesamt für Umwelt geprüft werden.

Überschritten werden diese Werte hauptsächlich an stark befahrenen Strassen in den Grossstädten. Viele Städte zum Beispiel in Deutschland führten in diesem Zuge sogenannte Umweltzonen ein, in die nur Autos fahren dürfen, die einen geringen Feinstaubausstoss haben. Andere Städte sperren bei Überschreitung der Grenzwerte ganze Strassen für den Lastverkehr. Bei uns in der Schweiz gibt es solche Massnahmen (noch) nicht.

Besonders in der Nähe von Strassen und Industrie sind die Feinstaubkonzentrationen besonders hoch.

Zur weiteren Verminderung der Feinstaubbelastung werden zudem Partikelfilter in Dieselfahrzeugen steuerlich gefördert.

Zwischen Stadt und Agglomeration gibt es kaum Unterschiede bezüglich Feinstaubbelastung
In ländlichen und bergigen Regionen ist die Belastung teilweise deutlich geringer

Neue Studien sagen, auch die Haut ist betroffen

Eine neue Studie hat ergeben, dass der verkehrsbedingte Feinstaub nicht nur die Lunge, sondern auch die Haut stark belastet. Wer häufig hohen Abgaswerten ausgesetzt ist, bildet zum Beispiel deutlich mehr Altersflecken aus, Melasmen genannt. Manche Menschen haben sogar genetisch speziell ausgeprägte Geweberezeptoren, sodass bei den Betroffenen die dunklen Flecken besonders leicht entstehen.

Luftschwebstoffe sind Träger organischer, fettlöslicher Verbindungen. Fachleute sprechen von polyzyklischen, aromatischen Kohlenwasserstoffen. Diese Partikel können in die Haut eindringen und biochemische Reaktionen auslösen. Die Gewebestruktur wird geschädigt und erschlafft, es bilden sich Falten und dunkle Flecken. Ganz neu entdeckt wurde, dass nicht nur die in den Abgasen enthaltenen Kohlenstoffpartikel, also der Russ, das Gewebe angreifen, sondern auch das von Dieselfahrzeugen ausgestoßene Stickoxid. Bisher war auch für Stickoxide lediglich eine Schädigung der Lunge erwiesen.

Kinder und Alte stark betroffen

Besonders brisant sind die Studienergebnisse der Forschergruppe zu Kindern und Senioren. Sie sind anfälliger für Umwelteinflüsse und Schadstoffe als Menschen mittleren Alters. Interessant wird es daher für die Wissenschaftler sein, in einigen Jahrzehnten zu sehen, wie sich die aktuellen Umweltbelastungen auf diejenigen auswirken, die heute im Kindesalter sind. Jetzt schon bekannt ist, dass ältere Menschen durch die Luftverschmutzung stärker unter Ekzemen leiden.

Ist Barfussgehen in der Stadt doch ungesund?

In der Anfänger-Checkliste für Feinstaub habe ich geschrieben, dass der Feinstaub zu grob wäre, um in den Körper zu gelangen. Ob diese Aussage noch stimmt? Vielleicht muss man sich damit anfreunden, dass Feinstaub oder Stoffe welche im Feinstaub enthalten sind, durch das Barfussgehen in den Körper gelangen können. Ganz ausschliessen kann man das wohl nicht mehr.

Allerdings – wer barfuss geht erzeugt Reibung auf den Fusssohlen, so dass der Feinstaub teils auch wieder abgerieben wird. Wichtig scheint mir aber zu sein, dass man seine Füsse zuhause immer sehr gut wäscht und die oberste Hornhautschicht regelmässig abfeilt. Ich schätze mal, dass man mit diesen Massnahmen auf der sicheren Seite ist.